Atomenergie

Die Betreiber von Atomkraftwerken (AKW) haben einen letzten Strohhalm für ihr Überleben entdeckt: Klimaschutz. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung kennt die immensen Nachteile der Atomkraft: Das Risiko eines Super-GAU, die Möglichkeit eines Terroranschlags, das ungelöste Atommüllproblem, die exorbitanten Kosten etc. Jedes einzelne Argument allein ist ein ausreichender Grund, die Nutzung der Atomenergie nicht zu verlängern oder gar auszubauen.

Der Bau von AKW, Wiederaufbereitungsanlagen und Endlagerstätten sind mit hohen CO2-Emissionen verbunden. Eine durchschnittliche Kilowattstunde Atomkraft hat weniger CO2-Emissionen zur Folge als eine Kilowattstunde aus Stein- oder gar Braunkohle. Da aber die Abwärme ungenutzt bleibt, ist der Wirkungsgrad mit ca. 35% sehr viel geringer als bei Kraft-Wärme-Kopplung (ca. 90%). Die benötigte Wärme muss anderweitig erzeugt werden, was in der Regel mit zusätzlichen Kohlendioxidemissionen verbunden ist.

Weltweit gibt es etwa 435 Atomkraftwerke. Insgesamt decken diese einen Anteil von 16% des Stroms und nur etwa 3% des Gesamtenergieverbrauchs. Atomstrom kann man weder an der Zapfsäule tanken, noch für die Wärmenutzung einsetzen. Wenn man die Atomkraft so weit wie möglich ausnutzt, müsste eine utopische Zahl von neuen Kraftwerken gebaut werden. Kein noch so großer Atombefürworter oder Optimist hält dies technisch überhaupt für möglich. Zur Verdeutlichung: Schon zur Deckung von nur 12% des weltweiten Energieverbrauchs mit dieser herkömmlichen Technologie würde den Bau von etwa 1500 AKW bedeuten.

Selbst die Union bezeichnet die Atomenergie als „Übergangstechnologie“. Wer aber an Auslaufmodellen festhält, verhindert wichtige Investitionen in den Ausbau Erneuerbarer Energien. Außerdem sinkt der Druck Energie einzusparen und effizienter einzusetzen. Atomenergie ist von gestern, die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energien.

Wir setzen auf Argumente:

• Atomenergie ist nicht klimafreundlich. Auch wenn bei der reinen Stromproduktion in AKW kaum Kohlendioxid freigesetzt wird: Der Bau der AKW sowie der von Wiederaufbereitungsanlagen und Endlagerstätten ist mit CO2- Emissionen verbunden. Hinzu kommt: Erschließung, Abbau, Transport und Veredelungsprozess von Uran sowie die Aufbereitung der Brennstäbe verursachen erhebliche Mengen klimaschädlicher Gase. Ein deutsches Atomkraftwerk produziert zwischen 31 und 61 Gramm CO2 pro KWh (Kilowattstunde). Eine KWh aus Windenergie erzeugt lediglich 23 Gramm!

• 4.500 Tonnen hochradioaktiver Atommüll entstehen zusätzlich, wenn die Laufzeiten der AKW nur um zehn Jahre verlängert werden. Die sichere Endlagerung von Atommüll ist nach wie vor weltweit nicht gelöst. Es gibt nirgendwo auf der Welt ein in Betrieb befindliches Endlager.

• AKW sind nicht sicher. Stetige Vorfälle und Sicherheitslücken zeigen, dass deutsche AKW keinesfalls störungsfrei und zuverlässig laufen. Die Sicherheit des Anlagenbetriebs nimmt mit längerer Laufzeit ab, denn auch Reaktoren altern (Korrosion, Risse an der Oberfläche oder an Schweißnähten im Reaktordruckbehälter, Materialermüdung). Alte AKW sind trotz aller Nachrüstungen allein aufgrund der Baukonstruktion (keine Kuppelform, unterschiedliche Wanddichten der Reaktordruckbehälter etc.) weniger sicher als neuere.

• Die epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken kommt zu dem Ergebnis, dass das Risiko für Kinder unter fünf Jahren, an Leukämie zu erkranken, zunimmt, je näher ihr Wohnort an einem Atomkraftwerksstandort liegt.

• AKW machen die Versorgung nicht zuverlässiger. Durch die klimawandelbedingte Zunahme extremer Wetterereignisse ist die Versorgungssicherheit bei Atomstrom gefährdet. Denn AKW müssen bei Wassermangel, zu hoher Wassertemperatur in den Flüssen oder im Fall von Überschwemmungen immer häufiger ihre Leistung drosseln oder ganz abgeschaltet werden. Im Übrigen speisten im Juli 2007 sechs deutsche Atomkraftwerke keinen Strom ins Netz ein. Dennoch musste kein einziger Kühlschrank in Deutschland deswegen seine Arbeit einstellen. Ganz im Gegenteil, Deutschland konnte 2007 sogar 14 Milliarden Kilowattstunden Strom exportieren.

• 100 Prozent abhängig ist Deutschland vom Uranimport als Grundlage zur Atomstromproduktion. Das Gerede von der Importabhängigkeit von Gas als Argument für Atomenergie ist Volksverdummung.

• Nur 5,4 Prozent macht der Anteil der Atomenergie am deutschen Endenergieverbrauch aus. Dem stehen 8,5 Prozent gegenüber, die schon heute die Erneuerbaren Energien beisteuern.

• Insgesamt haben die Bürgerinnen und Bürger die Atomenergie mit Milliarden Euro an Subventionen gestützt. Einige Beispiele:

o 1,7 Mrd. Euro für Hamm-Uentrop, Betriebszeit 423 Tage
o 2,2 Mrd. für die Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe, stillgelegt 1991
o 3,7 Mrd. Euro Forschungszentrum Karlsruhe
o 2,2 Mrd. Euro Atommülllager der DDR Morsleben, stillgelegt 1991
o 1,77 Mrd. Euro Gorleben

Dies ist nur die Spitze des Eisberges. Zurückhaltende Rechnungen gehen von 45-100 Mrd. Euro Subventionen aus Steuergeldern für die Atomenergie aus. Unter Einbeziehung von steuerfreien Rückstellungen der AKW-Betreiber, Forschungsförderung etc. kommen Studien auf insgesamt sogar 258 Mrd. Euro seit 1950.

• Längere Laufzeiten senken nicht den Strompreis. Prof. Olav Hohmeyer, Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesregierung: „Dafür gibt es keinen Ansatzpunkt“. Und auch der Energieexperte des Ökoinstituts, Felix Matthes, meint: „Beim Stromkunden kommt davon kein einziger Cent an“. Die Internetseite des BMU: „Der Strompreis wird an der Leipziger Strombörse gebildet und hängt vom jeweils teuersten Anbieter ab. Das sind praktisch nie die vollständig abgeschriebenen Atomkraftwerke. Die Erfahrung zeigt, dass Strompreise laufend ohne erkennbaren Anlass angehoben werden. Die vier großen Energieunternehmen setzen hohe Strompreise aufgrund ihrer Marktdominanz durch.“ (http://www.bmu.de/dossier_atomenergie/doc/43036.php)

• Durch die längeren Laufzeiten werden die bisherigen Monopolisten weiter den Wettbewerb massiv behindern. Durch die günstigen Entstehungskosten bei den abgeschriebenen Atomkraftwerken lohnt es sich nicht für kleinere Anbieter, etwa Stadtwerke, in Kraftwerke zu investieren. Bei Laufzeitverlängerung der AKW wäre ein rentabler Betrieb nicht möglich. Der dezentrale Ausbau der Energiegewinnung und die Förderung des Wettbewerbs werden durch längere Laufzeiten verhindert, denn Atomstrom verstopft die Netze und verhindert die Einspeisung alternativer Energie. Ausgerechnet die marktgläubige FDP verhindert einen neuen Markt.



Günstig und klimaschonend? Pro-Kernkraft-Argumente im Faktencheck

Was Experten zu den Äußerungen der vier großen Energiekonzerne sagen
Heute-online vom 16.08.2010



Der große Bluff - Die falschen Versprechen der Atompolitik

Frontal 21-Dokumentation vom 13. Juli 2010

Seite, Film + Internet-Modul


Schwarz-Gelbes Atomchaos - Vorsicht Verfassungsbruch!

Kaum geht die Mehrheit im Bundesrat durch die Wahlniederlage der CDU in NRW verloren, erklären die Atomländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen - hier stehen 11 der 17 AKW -, dass sie bei der Gesetzgebung zur Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke nicht mitreden wollen. Ihrer Meinung nach muss der Bundesrat nicht zustimmen. Eine bemerkenswerte Wende der Atomkraftbefürworter auf den Länderregierungsbänken!

 


Lesen Sie das gesamte Kompaktinfo - Schwarz-Gelbes Aromchaos

Argumente der SPD-Bundestagsfraktion zum Atomausstieg

 Atomenergie ist gefährlich, umweltschädlich und kostet viel. Dennoch halten einige politische Kräfte an dieser überholten Form der Energieversorgung fest - allen voran die CDU/CSU. Um dem mit Argumenten und nicht mit Ideologie zu begegnen, hat die SPD die wichtigsten Argumente gegen die Kernenergie in kurzen Thesenpapieren zusammengefasst:

Argumente gegen Atomenergie: Übersicht (Mai 2008)


http://www.bmu.bund.de/files/inc/image/jpeg/2008_bmulogo.jpg

Argumente zum "Streitfall Kernenergie"

Kann am Kernenergieausstieg trotz Klimaproblematik festgehalten werden, oder ist deswegen eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke notwendig?


Kaum ein Konflikt hat unsere Gesellschaft über so lange Zeit derart intensiv beschäftigt wie der Streit um die Stromerzeugung aus Kernenergie. Inzwischen ist der Konflikt um die Kernenergie wieder aufgelebt. Die Debatte um den Klimawandel spielt dabei eine wichtige Rolle. Angesichts dieser Herausforderung stellen die Befürworter der Kernenergie in Öffentlichkeit, Wirtschaft und Bundesregierung nunmehr die Vereinbarung zwischen der rot-grünen Bundesregierung und den vier großen Energieversorgern zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung aus dem Jahre 2000 wieder in Frage und planen als ersten Schritt eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke.


Vom damaligen Bundesumweltminister Gabriel in Auftrag gegebene Studien zeigen dagegen, dass die Reduktionsziele auch ohne ein Mehr an Kernenergie zu vertretbaren Kosten erreichbar sind - und zwar im wesentlichen durch Steigerung der Energieeffizienz und den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien. Dabei kann unsere Volkswirtschaft die damit verbundenen Kosten nicht nur verkraften, sondern es werden vielfältige Innovationsprozesse in Gang gesetzt mit Vorteilen für Volkswirtschaft und Gesellschaft.

 
Hier finden Sie die Argumente zum "Streitfall Kernenergie" in Thesen.

 


Die Lüge vom billigen Atomstrom

Nebenkosten exklusive


Die ZDF-Sendung Frontal21 hat es auf den Punkt gebracht: Die Behauptung, dass Atomstrom billig sei, berücksichtigt nicht die milliardenschwere Nebenkosten, die auf die Allgemeinheit abgewälzt werden.

Den Beitrag vom 16. September 2008 finden Sie auf Youtube unter: Die Atomstromlüge

Den lesenswerten Beitrag finden Sie hier: "Nebenkosten exklusive - Die Lüge vom billigen Atomstrom"



CDU auf Stimmenfang - Billigstrom vom AKW

Die CDU will die Verlängerung der AKW-Laufzeiten der Bevölkerungals ökologischen und ökonomischen Vorteil verkaufen. Wirtschafts- und umweltpolitisch gesehen ist der Vorschlag unsinnig, denn es gibt mehr als genug ungelöste Probleme, die gegen die Atomkraft sprechen.

Den lesenswerten Beitrag von n-tv finden Sie hier: "CDU auf Stimmenfang - Billigstrom vom AKW"


Unterzeichnen Sie die Erklärung:
Nein zum Ausstieg aus dem Ausstieg!

Eigentlich soll der Atomausstieg endlich greifen: Vier Reaktoren stehen vor der Abschaltung. Doch die Atomlobby will längere Laufzeiten für ihre AKWs erwirken - und den Atomausstieg auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben. Jetzt müssen wir Bürger/innen die Abschaltung durchsetzen. Nach der PR-Offensive der Atomlobby für längere Laufzeiten ihrer Atom­kraftwerke, melden sich jetzt die Bürger kraftvoll zu Wort.

Jede(r) kann die Online-Erklärung gegen ein Comeback der Atomenergie unter­zeichnen (www.atomkraft-abschalten.de). Die Erklärung wird von einem Bündnis von Umweltverbänden unterstützt. Sie fordern am Atomausstieg festzuhalten und die alten Reaktoren unverzüglich abzuschalten.

Die unterstützenswerte Erklärung von campact finden Sie hier: "Sagen Sie Nein zum Ausstieg aus dem Ausstieg"


Atomkraft als Klimaretter?

Die Atomlobby reibt sich die Hände: Angesichts der Erderwärmung, ausgelöst durch das Treibhausgas CO2, hofft sie auf eine Renaissance. Die Union preist Atomenergie bereits als sicheren Ausweg aus der Klimakatastrophe. Doch wie „sicher“ ist Kernkraft wirklich? Kann sie helfen, den Klimawandel zu bremsen? Oder soll hier der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben werden? Darüber diskutieren Experten. weiter...


Energy Watch Group warnt vor steigenden
Atomstrom-Kosten

Angesichts steigender Preise warnt die Energy Watch Group davor, den Mythos vom billigen oder wenigsten preisstabilen Atomstrom aufrecht zu erhalten. Seit dem Jahr 2000 ist der Weltmarktpreis von Uran auf das 20-fache gestiegen - von 7 Dollar auf 136 Dollar pro Pfund.

Oft wurde behauptet, dass Veränderungen beim Uranpreis praktisch keine Auswirkungen auf die Herstellkosten für Strom aus Atomkraftwerken hätten. Die derzeitigen und ab sehbare Preissteigerungen zerschlagen diese Hoffnung, wie die Berechnungen der Energy Watch Group ergeben. weiter...


Kernenergie im energiepolitischen Zieldreieck von Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit

In Zusammenarbeit des Bundesumweltministeriums veröffentliche das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH ein aufschlussreiches „Fact Sheet“ zur Abschaltung der Kernkraftwerke als wirtschaftliche und klimapolitische Chance für ein nachhaltiges Energiesystem.
Das Fact Sheet beleuchtet in diesem Zusammenhang skizzenhaft die Aspekte Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit/Wettbewerbsfähigkeit. weiter…



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