Erneuerbare Energien, auch regenerative Energien genannt, sind Energien aus Quellen, die sich kurzfristig erneuern (z.B. Biomasse) oder deren Nutzung nicht zum Versiegen der Quelle führt (Wind, Sonne, Erdwärme, Gezeiten).
Warum erneuerbare Energien?
Fossile und nukleare Energieträger hinterlassen uns, unseren Kindern und Kindeskindern Umweltschäden, deren Auswirkungen wir heute noch gar nicht vollständig abschätzen können. Es ist im besten Sinne des Wortes asozial, für 50 Jahre vermeintlich billigen Strom gigantische Mengen Atommüll zu hinterlassen, der zehntausend Generationen lang tödlich ist. Und auch die CO2-Emissionen aus Kohle-, Öl- und Gasverfeuerung werden Jahrhunderte lang ihre Spuren hinterlassen.
Man braucht aber kein Moralapostel zu sein, um sich für erneuerbare Energien einzusetzen: Erstens müssen wir weiterhin massiv CO2 einsparen, um den Klimawandel zu verlangsamen und zu begrenzen Zweitens ist es volkswirtschaftlich gesehen das einzig Vernünftige, jetzt massiv in die Erforschung und den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu investieren. Deutschland hat in elf Jahren sozialdemokratisch geführter Regierungen die Technologieführerschaft erreicht und 300.000 Jobs geschaffen. Dies müssen wir nun weiter ausbauen.
73 Prozent der fossilen und nuklearen Energieträger (Uran, Erdöl, Erdgas, Steinkohle) muss Deutschland importieren, mit stark steigender Tendenz. Da ist es nicht gerade beruhigend, dass die Mehrzahl dieser Rohstoffe in politisch instabilen Staaten lagert. 83 Milliarden Euro betrugen die Kosten für den Import allein im Jahr 2008. Und Energie aus nuklearen/fossilen Energieträgern verursacht nicht nur Kosten für die Energieträger selbst, sondern darüber hinaus die sogenannten externen Kosten. Damit gemeint sind negative Auswirkungen von konventionellen Kraftwerken z.B. auf den Klimawandel, auf die Umwelt (z.B. Wälder, Gewässer, Böden…) und damit die Gesundheit der Bevölkerung. Diese Auswirkungen, die auf keiner Stromrechnung auftauchen, müssen wir alle und die kommenden Generationen bezahlen!

Eine vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegebene Studie des DLR in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut (2006) hat festgestellt: „Es kann davon ausgegangen werden, dass die EEG-Aufwendungen zur Förderung erneuerbarer Energien durch vermiedene externe Kosten vollständig kompensiert werden. Unabhängig von verschiedenen anderen Zielen, die mit dem EEG verfolgt werden, „lohnt“ sich also die Förderung erneuerbarer Energien alleine aufgrund der vermiedenen Umweltschäden und den damit verbundenen volkswirtschaftlichen Nutzen.“ Deutschland ist Vorreiter und muss es bleiben!
Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), im Jahr 2000 von der rot-grünen Bundesregierung auf den Weg gebracht, ist heute Vorbild für die Gesetzgebung in mehr als 40 Staaten weltweit. Ehrgeizige Klimaschutzziele, vor allem innerhalb der EU, bieten hervorragende Exportchancen für die Branche. Und sie wird weiter wachsen: 2009 arbeiteten bereits über 300.000 Menschen in der EE-Branche, im Jahr 2020 könnten es wenigstens 500.000 sein (Branchenprognose BEE), wenn die schwarzgelbe Regierung nicht massiv bremst.
Daneben ist die regionale Wertschöpfung im Bereich der erneuerbaren Energien besonders groß. Regionale Wertschöpfung umfasst alle in einer Region erbrachten wirtschaftlichen Leistungen. Werden neue Erneuerbare-Energien-Anlagen ausgebaut, kommt dies direkt den betreffenden Gemeinden und Regionen zu Gute. Handwerksbetriebe erhalten mehr Aufträge, Umsatz und Gewinn steigen. Höhere Steuereinnahmen für die Kommunen und neu geschaffene Arbeitsplätze sind die Folge. Unternehmen wie Kommunen profitieren gleichermaßen. Gleichzeitig schwächt die lokale Energieerzeugung die Monopolstellung der „großen Vier“ e.on, Vattenfall, RWE und EnBw, die derzeit noch etwa 80 Prozent des deutschen Strommarktes und damit die Preisbildung beherrschen.
Erneuerbare Energien erfreuen sich einer großen Akzeptanz in der deutschen Bevölkerung: Satte 97 Prozent der Bundesbürger halten die Nutzung und den Ausbau erneuerbarer Energien für wichtig oder sehr wichtig, 76 Prozent der Deutschen würden einen Solarpark in der Umge¬ung ihres Wohnortes sehr gut oder gut finden, 55 Prozent eine Windkraftanlage – dagegen können sich nur 4 Prozent ein Atomkraftwerk in ihrer Umgebung vorstellen (Forsa 2009).
Aussichten bis 2020
Wir wollen den Ausbau der Erneuerbaren Energien massiv beschleunigen. Im ersten Halbjahr 2010 lag der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien am gesamten Bruttostromverbrauch in Deutschland bei gut 19 Prozent. Die derzeitige Bundesregierung gibt bis zum Jahr 2020 mindestens 30 Prozent als Ziel an;
Branchenprognosen (BEE 2009) gehen dagegen von 47 Prozent im Jahr 2020 aus.
Durch den Ausbau werden die Preise zum Beispiel für Windkraft- und Photovoltaikanlagen weiter sinken, wogegen fossile und nukleare Energieträger immer knapper und dadurch teurer werden – die IEA prognostiziert für 2011 einen Ölpreis von 150 Dollar/Barrel, der Preis für Uran, dessen Vorkommen in etwa 40 Jahren erschöpft sein werden, ist seit Mitte dieses Jahrzehnts geradezu explodiert. Es ist daher damit zu rechnen, dass im kommenden Jahrzehnt der Strom aus erneuerbaren Energien preiswerter werden wird als konventionell erzeugter Strom.
Bei der Wärmeversorgung sollen die Erneuerbaren nach den Plänen der Bundesregierung auf einen Anteil von 14 Prozent wachsen (im Jahr 2009 waren es 8,4 Prozent) – hier sagt die entsprechende Branchenprognose einen Anteil von 25 Prozent voraus.
Und 2050?
Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) der Bundesregierung geht in seinen Schätzungen davon aus, dass Deutschland seinen Strombedarf im Jahr 2050 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken kann. Der Clou: Langfristig werden wir eine Menge Kosten einsparen gegenüber den konventionellen Energieträgern, die immer teurer werden. Prof. Dr. Olav Hohmeyer, Hauptautor des Gutachtens, betonte, dass bereits 2030 eine Vollversorgung mit Strom aus Erneuerbaren Energien möglich sei, wenn die konventionellen Kraftwerke frühzeitig abgeschaltet sowie die Netz- und Speicherinfrastruktur angepasst würden. Diesem Ziel fühlt sich die SPD verpflichtet!
Wasserkraft
Strom aus Wasserkraftwerken deckt derzeit rund fünf Prozent des Bedarfs und war bis 2004 die bedeutendste Quelle erneuerbarer Energien in Deutschland. In einem Wasserkraftwerk strömt Wasser durch eine oder mehrere Turbinen. Sie treiben Generatoren an, der Strom erzeugt. Die Wasserkraft gilt als ausgereifte Technologie, mit ihr wird schon seit langem wirtschaftlich Strom erzeugt.
Windkraft
2004 hat die Windkraft die Wasserkraft als bedeutendste Quelle erneuerbarer Energien abgelöst. Hier wird der Strom ebenfalls durch Generatoren erzeugt. Bei Windkraftwerken werden Rotoren durch die Luftströmung in Drehung versetzt und auf diese Weise Stromgeneratoren angetrieben. In windstarken Küstenregionen ist die Nutzung der Windenergie zur Stromerzeugung schon an ihre Grenzen gekommen. Neue Möglichkeiten sehen Experten aber noch auf hoher See. Die höheren Kosten für solche Anlagen werden durch höhere Stromproduktion wieder ausgeglichen. in Nachteil der Windenergie ist, dass die Stromerzeugung von der Windstärke abhängig und damit nur zum Teil planbar ist. Ein europaweites Netz von Windrädern beispielsweise könnte aber eine kontinuierlichere Stromproduktion garantieren.
Photovoltaik

Die Energiemenge, die jährlich von der Sonne auf die Erde einstrahlt, beträgt etwa das 2.850-fache des weltweiten Bedarfs. Diese unerschöpfliche und umweltfreundliche Energiequelle hält für die nächsten 5 Milliarden. Jahre. Photovoltaik ist die Umwandlung von Sonnenenergie (Photonen) in elektrische Energie mit Hilfe von Solarzellen. Diese Solarzellen sind Halbleiter, die unter Einfluss von Licht Gleichstrom erzeugen, der Motoren antreiben oder Batterien aufladen kann. Wie ist der Weg vom Rohstoff Silizium zum fertigen Modul? Was ist ein Dünnschichtmodul? Was passiert in einer Solarzelle, wenn die Sonne scheint? Diese und andere Fragen beantwortet das
BINE-BasisEnergie-Info "Photovoltaik".
Hausbesitzer, die wissen möchten, ob sich eine Photovoltaikanlage auf ihrem Dach oder in die Fassade integriert rechnen würde, welche Förderung sie erhalten können und wie viel Strom sie produzieren könnten, können den Photovoltaik-Förderrechner der Energieagentur NRW nutzen.
Biomasse

Abfall- und Restholz,Klärschlamm und organischer Hausmüll – das alles ist Biomasse. Die organische Substanz ist ein natürlicher Speicher der Sonnenenergie. Aus ihr kann wieder Energie gewonnen werden. So entsteht zum Beispiel Biogas, das zum Heizen genutzt wird, beim Verfaulen von Abfällen. Durch Einsatz von Altholz in Dampfturbinenkraftwerken wird schon lange Wärme erzeugt. In Deutschland hat in den vergangenen Jahren auch die Nutzung von Biodiesel aus Raps an Bedeutung gewonnen. Biomasse macht in Deutschland inzwischen über die Hälfte der aus erneuerbaren Energien produzierten Endenergie aus.
Geothermie
Geothermie ist nichts anderes als Erdwärme, also Energie, die zum Beispiel in Form von heißem Wasser unter der Erdoberfläche gespeichert wird. Das Wasser kann an die Erdoberfläche gepumpt und zum Heizen genutzt, Wasserdampf bei entsprechender Temperatur auch zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Die geothermische Stromerzeugung steht noch ganz am Anfang, die Kosten sind hoch. Durch effizientere Bohrverfahren und eine Verbesserung der Wirkungsgrade der Stromerzeugungsanlage könnten die Kosten nach Ansicht von Experten erheblich gesenkt werden. Dafür ist noch viel Forschung und Entwicklung erforderlich.
Wasserstoff
Wasserstoff ist ein brennbares Gas, das fast schadstofffrei verbrennt. Es kann beispielsweise in Brennstoffzellen zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Der Heizwert von Wasserstoff ist etwa dreimal so groß wie Erdöl. Wasserstoff ist keine Energiequelle, sondern ein Energiespeicher. Allerdings sind die Kosten zur Erzeugung sehr hoch. Wasserstoff gibt es nicht wie natürliche Kohlevorkommen. Als Speichermedium für die unregelmäßig anfallende Windenergie ist Wasserstoff allerdings eine interessante Technologie.
Großes Potenzial der Erneuerbaren Energien bis 2050
In der Studie „Weiterentwicklung der Ausbaustrategie Erneuerbare Energien vor dem Hintergrund der aktuellen Klimaschutzziele Deutschlands und Europas“ von 2008 des (damals SPD-) Bundesumweltministeriums kann ein Blick in die Zukunft ins Jahr 2050 geworfen werfen. Soviel ist klar: Die Entwicklungspotenziale der Erneuerbaren Energien sind beeindruckend.
Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch kann von derzeit rund 15 Prozent bis 2020 auf gut 30 Prozent verdoppelt und bis 2030 auf 50 Prozent gesteigert werden. Ihr Anteil am gesamten Energieverbrauch, d. h. Strom, Wärme und Mobilität kann bis 2020 auf 18 Prozent und bis 2050 auf 50 Prozent erhöht werden. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie zum Ausbau der erneuerbaren Energien, die Dr. Joachim Nitsch in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellt hat.
Die Studie zeigt gleichzeitig auf, dass bei verstärkten Anstrengungen zur Steigerung der Energieeffizienz und der Modernisierung des Kraftwerksparks Deutschland planmäßig aus der Atomenergie aussteigen und seine Klimaschutzziele erreichen kann. Eine Stromlücke ist dabei nicht erkennbar. Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist, dass die Abhängigkeit von Energieimporten (Uran und fossile Energieträger) gesenkt, das gesamte Energiesystem flexibler und damit die Energiesicherheit deutlich erhöht wird. Auch unter ökonomischen Gesichtspunkten resultieren Vorteile: Der Anlagen- und Maschinenbau kann mit einem guten heimischen Markt große Erfolge auf dem Weltmarkt erzielen und die Arbeitsplätze in Deutschland weiter steigern.
Die Zahlen im Detail
1) In dem „LEITSZENARIO 2008“ wird dargelegt, wie die Treibhausgasemissionen bis 2050 in Deutschland auf rund 20% des Werts von 1990 gesenkt werden können. Bis 2050 werden gegenüber 1990 insgesamt 780 Mio. t CO2/a vermieden, was einer Reduktion um 78,5% entspricht. Das heißt 80% weniger CO2-Austoß ist möglich in nur vierzig Jahren. Bis 2020 ist schon eine Reduktion um 40% möglich.
2) Der Anteil Erneuerbarer Energien an der gesamten Energieversorgung kann auf rund 50% gesteigert werden. Schon heute ist die Ausbaustrategie der Erneuerbaren Energien außerordentlich erfolgreich mit durchschnittlichen Wachstumsraten von knapp 11% pro Jahr.
Bis 2050 ist der Umbau der Energieversorgung schon weit fortgeschritten. Strom wird dann zu 87% (Endenergie) bzw. 81% (Bruttostromverbrauch) aus Erneuerbaren Energien bereitgestellt.
3) Die Wirkung der Effizienzstrategie führt zu einer durchschnittlichen Steigerung der Produktivität von Kohle, Öl und Gas (Primärenergie) von 3% pro Jahr bis 2020. Daraus ergibt sich in Verbindung mit dem angenommenen Wirtschaftswachstum ein um 17% geringerer Primärenergieverbrauch gegenüber 2005; die zu importierende Energiemenge ist auf 80% gesunken. Zur Jahrhundertmitte wird die Importquote der deutschen Energieversorgung sich auf 57% von heute 75% verringern können.
4) Bis 2050 kann der Beitrag der Windenergie auch durch den Einstieg in den Offshore-Ausbau auf 36% der gesamten Bruttostromerzeugung gesteigert werden. Windkraftanlagen stellen schon in 2020 mit 87 TWh/a 15% der gesamten Bruttostromerzeugung. Bis 2050 steigt der Beitrag der Windenergie mit 209 TWh/a auf 36% der gesamten Bruttostromerzeugung.
5) Bis 2020 werden viele fossil gefeuerte Kraftwerke außer Betrieb gehen. Von den 88 GW, die neue Kraftwerke bereitstellen müssen, können allein 59 GW aus EE-Anlagen stammen. 2050 werden die verbleibenden fossil gefeuerten Kondensationskraftwerke vorwiegend nur noch für Reserve- und Ausgleichsaufgaben eingesetzt. Der gesamteuropäische Emissionshandel und die Option der Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) wird die Reduktion der Emissionen im Stromsektor zusätzlich erleichtern.
6) Um die CO2-Ausstöße des gesamten Energiesystems trotz Ausstiegs aus der Kernenergie zu reduzieren sind parallel die Effizienzsteigerung und der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung unerlässlich. Im Leitszenario sinken die CO2-Emissionen der gesamten Stromversorgung trotz Ausstieg aus der Kernenergie um 20% schon bis 2020.
7) Auch der Verkehr trägt zum Klimaschutz bei. Die gesamte Energienachfrage im Verkehr wird sich bis 2050 um 25% reduzieren im Vergleich zum Jahr 2005. Der Anteil von Biokraftstoffen am gesamten Kraftstoffverbrauch erreicht 20%. Der Verkehrssektor wäre aus seiner derzeit extremen Abhängigkeit von Öl in beträchtlichem Maße befreit, weil der fossile Anteil der Kraftstoffbereitstellung im Jahr 2050 nur noch 50% des Verbrauchs von 2005 beträgt.
Das Leitszenario 2008 ist aber nur eine von zahlreichen möglichen Entwicklungen des Energiesystems. Möglich ist nämlich auch, dass Deutschland in ein Defizit-Szenario gerät, wenn die Bundesregierung nicht den Weg einer umfassenden Effizienzpolitik verbunden mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien fortsetzt.
- Leitstudie 2008 - Gesamtfassung
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- Leitstudie 2008 - Zusammenfassung der Ergebnisse
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- Leitstudie 2008 - Zentrale Ergebnisse für Entscheidungsträger
www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/leitstudie2008_entscheidungstraeger.pdf
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