Weblog von Ulrich Kelber, MdB

06 April

Klimaflop Atomenergie

Hier die aktuellen Ergebnisse einer Wissenschaftlergruppe, die eigentlich für die britische Regierung die Notwendigkeit von Atomenergie für den Klimaschutz beweisen sollte und zum gegenteiligen Ergebnis kam. Wohlgemerkt, hier wird nur Kondensationskraftwerke mit Kondensationskraftwerk verglichen, bei Kraft-Wärme-Kopplung kann Atomkraft schon heute nicht mehr mithalten:

Klimaflop Atomenergie?

Die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) hat unterdessen vor einer falschen Einschätzung der Atomkraft beim Klimaschutz gewarnt. Weil im Uranbergbau wegen des rückläufigen Urangehalts im Erz immer mehr fossile Energie eingesetzt werden müsse, werde die Atomenergie ab dem Jahr 2050 ebenso klimaschädlich sein wie fossile Gaskraftwerke. Dies habe eine Studie der britischen Wissenschaftler-Gruppe "Oxford Research Group" vom März 2007 ergeben, teilte die Ärzteorganisation mit. "Damit ist die Legende von der klimafreundlichen Atomenergie endgültig vorbei", sagte die IPPNW-Vorsitzende Angelika Claußen.

Der Untersuchung der Oxford Research Group zufolge liegen die CO2-Emissionen der Atomenergie schon heute zwischen denen erneuerbarer Energien und fossiler Kraftwerke, keineswegs aber auf dem Niveau der Windenergie. Während die produktionsbedingten CO2-Emissionen der Windenergie mit 11 bis 37 Gramm pro Kilowattstunde angegeben werden, produziert die Atomenergie heute 84 bis 122 Gramm CO2. Die Emissionen von modernen Gaskraftwerken liegen bei 385 Gramm.

In den kommenden Jahren werden die CO2-Emissionen der Atomenergie laut Oxford Research Group drastisch ansteigen: "Der Rohstoff Uran muss aus der Erdkruste durch eine Reihe von physikalischen und chemischen Prozessen gewonnen werden, die Energie verbrauchen und alle Kohlendioxid erzeugen", schreiben die Wissenschaftler. Je geringer der Urananteil des Erzes ist, desto mehr Material muss mit hohem Energieaufwand verarbeitet werden, was zu immer höheren CO2-Emissionen führt.

geschrieben um 11:40:46 am 04/06/07 von Uli Kelber
Thema: Politik in Berlin - No Trackbacks

Kommentare

distelbobo schrieb am 04/06/07 um 11:55:07

... und wenn kein Wind weht und keine Sonnne scheint, geht der Computer aus.

Regenerative Engergie ist generell zu bevorzugen, es ist aber ein Ammenmärchen, dass Sonne und Wind alleine alle fossilen und atomaren Kraftwerke ersetzen könnnen. Beim Wind dürfen wir nicht weiter aufbauen, weil es a.) ökonomischer und technologischer Nonsens ist (Kraftwerke müssen vorgehalten werden, um bei plötzlicher Windstille Strom zu erzeugen und b.) Steuermilliarden de Subvention frisst, die z.B. in die Kinderbetreuung gesteckt werden könnten.

Wir brauchen einen Mix aus Regenerativen Energien (insbesondere mehr als Sonne und Wind; z.B. Geothermie, Biomasse und Wasserkraft) wobei der anteilige Ausbau nur durch den Aufbau konstanter Energiequellen (nicht Sonne und Wind) erfolgen kann. Der Anteil der konventionellen und der Kernkraftwerke muss im Zeitablauf sinken (ggf. aber über die bisherigen Laufzeiten hinaus). Wichtig ist darüber hinaus weitere Energiequellen zu suchen (neue Quellen, Technologien etc.), die heute unbekannt sind - oder deren Nutzung noch nicht möglich ist. Diese sollten weder das Klima noch die Menschen schädigen.


Uli Kelber schrieb am 04/06/07 um 20:49:54

@ Erstens können auch Wind und Solar zur Grundversorgung sehr viel mehr beitragen als allgemein vermutet, z.B. auch durch Verbundsysteme und neuartige solarthermische Kraftwerke. Aber eine Frage: Wenn Ingenieure Kernspaltung und Kernfusion beherrschen wollen, Milliarden Tonnen CO2 abscheiden und in Druckluftkavernen speichern wollen, dann sollen wir die Speicherung von elektrischer Leistung durch erneuerbare Energien nicht in den Griff kriegen können? Das leuchtet dich niemanden ein.

Zu den neuen Energiequellen gebe ich Ihnen recht, wobei es da wohl eher um neue Nutzungstechnologien geht ...


distelbobo schrieb am 04/07/07 um 09:09:00

Mit neuen Energiequellen / Technologien meine ich unbekannte neue Technologien, die die Wissenschaft in den nächsten Jahren zu entdecken und erforschen hat. So wie vor 100 Jahren die Kernenergie unbekannt war, gibt es auch m.M. nach weitere unbekannte Eneriequellen. Diese sollten jedoch auf Gefährlichkeit und Klimaeinfluss untersucht werden, bevor diese genutzt werden.


Wolli schrieb am 04/08/07 um 17:56:35

Der Anwendung neuer Technologien stehen (wie üblich) gelegentlich die Interessen gewisser Konzerne entgegen. In den letzten hundert Jahren hat es beispielsweise nicht allzuviele Neuerungen bei den herkömmlichen Haushaltsbatterien gegeben. Es sind nach wie vor schwere und unhandliche Einwegprodukte. Wenn die Akkus soviel besser wären, gäbe es keine Einwegbatterien mehr zu kaufen, oder?

Stand-By Schaltungen könnte man mit geringfügig größeren Aufwand überflüssig machen, Batterien in Fernbedienungen ebenfalls.

In letzter Zeit gab es einen Medien-Hype um die sogenannten "Energiesparlampen", um nicht zu sagen Leuchtstoffröhren. Steinzeittechnologie aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Weit und breit kein Politiker, der auf zeitgemäßere Lichtquellen wie LEDs hinweist. Von OLEDs ganz zu schweigen. :-)

Wie hoch ist eigentlich der Stromverbrauch im Reichstag? :-)


Sunny schrieb am 12/28/07 um 06:59:18

WIR BRAUCHEN KEINE NEUEN ENERGIETECHNIKEN!

Selbst unser damaliger Hamburger "Umweltsenator" (angeblich Sozialdemokrat) Fritz Vahrenholt (Spitzname "Feuer-Fritze" wegen seiner Verschleuderung von Steuergeldern für überdimensionierte Müllverbrennungsanlagen) vertritt vehement die Meinung, unbedingt die Kernfusion erforschen zu müssen. Das zweite Milliardengrab der Energiepolitik nach der Kernenergie - wieder von der SPD zu verantworten?

Babei weisen Studien nach, dass München zum Beispiel einfach nur auf Grundlage der bestehenden Dachflächen zu 37% solar versorgt werden könnte - für Aachen sind es sogar 66% - ohne zusätzlichen Landschaftsverbrauch. Und ohne DIE NEUE BAHNBRECHENDE Erfindung in der Solartechnik. Über 10% Systemwirkungsgrad - darüber spekulieren die Halblaien ja so gerne! - sind nämlich gar nicht so schlecht. Beim PKW liegt das Verhältnis bei etwa 5%, bei der Glühlampe bei 4%. Und beides gehört sofort abgeschafft! Wobei es wieder ein Sozialdemokrat war, der den Elektroantrieb im öffentlichen Personennahverkehr in Hamburg vernichtet hat...

Ganz bitter ist bis heute, dass die meisten Heizanlagen nur Wärme erzeugen und der Anteil an Bewegungsenergie von etwa 30%, der ohne CO2-Mehrbelastung Strom liefern könnte, einfach verschenkt wird. Dabei könnten derartige Anlagen per Rundsteuerung wie ein einziges Kraftwerk gefahren werden und besonders die Lastspitzen im Stromnetz abdecken. Doch nicht einmal, wenn ich den Leuten vorrechne, daß sie damit Geld verdienen können, wird es gemacht! Dann sollten die Leute eben durch Gesetze zu ihrem Glück gezwungen werden!

Aber sehen wir erst mal, was jeder einzelne tun kann. Deshalb bitte den dringend notwendigen STROMWECHSEL nicht vergessen (über meinen Link erreichbar oder http://www.umev.de ). Denn nur andere Strukturen in der Energiewirtschaft geben auch eine andere Energiepolitik!!!


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