Bericht vom 7. November 2010
Es läuft bis jetzt alles reibungslos, die Zeit hier vergeht wie im Flug und es ist besser, als ich es mir je erhoffen konnte. Ich bin nun seit Anfang August in Chambersburg, Pennsylvania und gehe auf das Harrisburg Area Community College.
Mit meinen Kursen bin ich bisher auch sehr zufrieden. Ich habe zum Glück alle Kurse bekommen, die ich auch zu Beginn wählen wollte (US History, World Geography, Drawing und Tennis). Ich trauere der Collegezeit jetzt schon hinterher, denn vor kurzem hat die Jobsuche für die 2. Hälfte des Jahres begonnen. Die College-Zeit motiviert mich auf jeden Fall mit einem Studium in Deutschland fortzufahren. Ich denke, dass die Community Colleges einiges mit den Berufskollegs in Deutschland gemeinsam haben mit dem großen Unterschied, dass man hier nach 2 Jahren auf die Universität wechseln kann und dann nach zwei weiteren Jahren sein Bachelor in der Tasche hat, das ist ein großes Plus. Schade ist, dass die Colleges hier kaum finanzierbar sind, viele amerikanische Studenten haben ein oder zwei Nebenjobs und das macht einen engen Kontakt schwieriger. Die meisten rauschen von einem Kurs zum anderen, es gibt aber auch zum Glück einige Ausnahmen.
Mein College leistet großartige Arbeit mit der Förderung für den Zusammenhalt internationaler Studenten. Es gab zu Anfang ein Vorbereitungsseminar, einige Ausflüge und viele andere Meetings mit den anderen 30-40 internationalen Studenten aus aller Welt (darunter Studenten aus Korea, Japan, Thailand, Canada, Venezuela, Mexico, Ukraine, Südafrika uvm, ich glaube insgesamt gibt es über 15 verschiedene Nationalitäten). Wir haben alle den Kontakt gehalten und treffen uns regelmäßig zwischen den Kursen und an den Wochenenden. Wir haben zwar alle verschiedene Interessen und Ziele, aber allein schon in einem fremden Land zu sein und diesen Schritt gewagt zu haben, schweißt uns zusammen. Wir möchten alle so viel wie möglich vom Alltag und der Umgebung mitnehmen und die amerikanische Lebensart kennenlernen.

Ich habe inzwischen viele Freunde gefunden, mit denen ich regelmäßig Kurztrips veranstalte (bei der Lage kein Wunder..Philadelphia, Baltimore, Washington D.C. und New York City sind nur einen Katzensprung entfernt!). Das erste große traditionelle Fest, Halloween, liegt bereits hinter mir. Ich wusste zwar, dass dieses Fest hier sehr groß gefeiert wird und alle Altersgruppen hier vertreten sind, aber mit diesem Ausmaß an Begeisterung und Mühe für Kostüme und Dekorationen aller Art hätte ich nicht gerechnet. Ich hatte mich entschieden mit einem anderen PPPler an dem Zombiewalk in New Jersey teilzunehmen. Dort wurde ein Weltrekord mit über 4.000 Zombies aufgestellt und wir waren dabei und haben sogar recht gutes Feedback für unsere Kostüme erhalten:-) Bald steht nun Thanksgiving und Weihnachten an, ich bin schon gespannt diese Feste auf die amerikanische Art und Weise zu erleben! Meine Gastmutter hat mich schon vorgewarnt, sie verfalle wohl in einen regelrechten Dekorations- und Backwahn ;-)
Patti, meine Gastmutter arbeitet für die US Army und ist zwar oft unterwegs, aber sie ist sehr herzlich und entgegenkommend und hat auch schon einen großen Beitrag dazu geleistet, dass man hier nur schwer heimweh bekommt. Sie integriert mich auch sehr in ihr Familienleben mit ein und ich durfte schon im Herbst mit ihr zum Canyon Lake, Texas, um dort ihren Vater zu besuchen. Das Motto "everything's bigger in Texas" ist wirklich nicht übertrieben, Grundstücke, Häuser, Autos (oder besser gesagt hauptsächlich Pickups und Jeeps) sind übertrieben groß. Gigantische Ranches und Cowboys haben natürlich auch nicht gefehlt. Ein echtes texanisches Barbecue habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Was mich überrascht hat, war der durchaus große deutsche Einfluss neben dem Mexikanischen. Es gibt zahlreiche Städte und Dörfer mit deutschen Namen und in Gesprächen mit Einheimischen stellt sich sehr oft heraus, dass sie einen deutschen familiären Hintergrund haben.
Es gab am Anfang einige unvermeidliche, bürokraitsche Schwierigkeiten, da es sich langwierig erwiesen hat, die erforderliche Social Security Nummer zu erhalten, die man auch für die Beantragung eines Führerscheins, den Job im 2. Halbjahr, das Bankkonto uvm benötigt. Meine Gastmutter musste mich also sehr oft zu Behörden oder Collegeveranstaltungen fahren. Ich hatte jedoch das Glück, dass sie Anfang August Urlaub hatte. Unangenehm war es natürlich trotzdem, auch wenn sie es gerne gemacht hat. Ich habe nur des öfteren von anderen Teilnehmern gehört, dass ihre Gasteltern aus beruflichen Gründen nicht so viel Zeit hatten wie meine Gastmutter und die großen Entfernungen und der Mangel an öffentlichen Verkehrsmitteln waren wohl am Anfang recht problematisch.
Bis auf diese eine große Hürde kann ich für meinen Fall allerdings nichts negatives melden. Ich habe mich hier sehr gut eingelebt und habe sogar vor einigen Wochen angefangen unbewusst auf Englisch zu denken und manchmal fehlen mir sogar die deutschen Wörter, das sagt wohl schon einiges aus!
Bericht vom Januar 2011
Vorauswahl
Es ist bereits zwei Jahre her, als ich das erste Mal etwas vom Parlamentarischen Patenschafts-Programm erfahren habe. Ich habe damals gerade meine Ausbildung zur Fremdsprachenassistentin abgeschlossen und informierte mich durch verschiedene internationale Organisationen und Programme über Wege ins Ausland. Neben den zahlreichen Studien-, Praktika-, Aupair-, Work & Travel- und Work & Study-Angeboten, war das Parlamentarische Patenschafts-Programm das einzige Programm, das mich komplett überzeugt hat. Das Programm bot unter anderem ein Stipendium für ein Collegesemester, die Unterkunft in einer Gastfamilie, die Ein- und Ausreise in und aus den USA sowie Unterstützung und Koordination für diverse Rahmenbedingungen. Des Weiteren, deutete das Programm durch das Sponsoring des Deutschen Bundestags und des amerikanischen Kongresses auch auf ein sehr beliebtes und altbewährtes Programm hin und war durch die Kombination bestehend aus einer je halbjährigen Studien- und Arbeitsphase sehr vielseitig. Nach zwei Jahren Berufserfahrung nach meiner Ausbildung entschied ich mich dann endlich, mich für das PPP zu bewerben und den Schritt ins Ausland zu wagen. Meiner Meinung nach ist das Interesse für einen Auslandsaufenthalt bei Auszubildenden sehr groß, weshalb ich es sehr empfehlen würde, das Programm direkt vor den Abschlussklassen verschiedener Ausbildungseinrichtungen vorzustellen.
Auswahl
Nach einem kurzen Telefonat mit Inwent, der koordinierenden Austauschorganisation, die die Vorauswahl durchführte, erhielt ich einige Zeit später die Bewerbungsunterlagen. Nach Einreichung des Bewerbungspakets und zahlreicher anderer Zeugnisse und Bescheinigungen, Lebensläufe und einem umfassenden Motivationsschreiben fand ich nach einigen Wochen Wartezeit die Einladung zum ersten Vorstellungsgespräch. Die Vorauswahl fand für mich in Bonn statt und mich erwartete ein Tag voll mit Informationen zum Programm, Gruppenpräsentationen und letztendlich ein Interview vor einer fünfköpfigen Jury. Getestet wurde hier die Eignung für ein Stipendium als Minibotschafter, vor allem aber die Motivation und das Bemühen um einen der insgesamt 75 angebotenen Plätze. An dieser Stelle waren nicht nur Kenntnisse über die USA, sondern auch Offenheit gegenüber neuen Kulturen, Flexibilität, Spontanität und ein gewisses politisches Interesse gefragt. Ich denke, dass letztendlich der Gesamteindruck als individuelle Persönlichkeit die größte Rolle bei der Entscheidung spielte, sodass keiner von uns Bewerbern aufgrund von Wissenslücken Angst vor einer Absage haben musste. Nachdem ich die erste Bewerbungsrunde erfolgreich überstand, folgte wenig später auch die nächste Herausforderung: der TOEFL-Test und ein weiterer politischer Test. Zu dem Test sollten wir dann auch eine individuelle Bewerbungsmappe erstellen, die dem jeweiligen Bundestagsabgeordneten zugeschickt werden sollte, wenn der/die Bewerber/in in die engere Auswahl kommen sollte. Wenig später erhielt ich vom Büro des Bundestagsabgeordneten meines Wahlkreises, Herrn Ulrich Kelber, die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Das Treffen verlief in einer entspannten Atmosphäre. Herr Kelber und ich tauschten Informationen zu dem Programm aus und ich durfte ihm dann näher von mir und meinen Motivationen zum Programm erzählen. Zwei Monate später erhielt ich dann von Herrn Kelber die erfreuliche Nachricht, dass er sich nach gründlicher Überlegung für mich entschieden hatte. Die Vorbereitungen für das Auslandsjahr konnten also endlich beginnen.
Das Vorbereitungsseminar in Deutschland
Die drei Vorbereitungsseminare, die jeweils in Berlin, Bad Bevensen und Würzburg stattfanden und zu denen jeweils etwa 25 Teilnehmer eingeladen wurden, dauerten eine Woche. Viele Teilnehmer, die nicht allzu weit voneinander wohnten, taten sich zu diesem Zeitpunkt schon zusammen, um gemeinsam zum Vorbereitungsseminar zu reisen. Das Seminar beinhaltete eine gründliche Präsentation aller wichtigen Informationen zum Programm: Verlauf der Reise, Ein- und Ausreisebedingungen, Versicherungsangelegenheiten, Organisation der Platzierungsorte, Kontakt zu Gastfamilien und Collegekoordinatoren uvm. Außerdem wurden zwei ehemalige Teilnehmer des PPP eingeladen. Die Erfahrungen, die sie während ihres Auslandsjahres sammelten waren für uns von großer Bedeutung. Wir konnten somit erfahren, welche positiven wie auch negativen Erfahrungen uns während des Jahres bevorstehen könnten, wie zum Beispiel die Reise zum Platzierungsort, Erfahrungen mit der Gastfamilie und im College und Probleme bei der Jobsuche. Außerdem bereiteten das Team mehrere Kennenlernspiele vor, die uns Teilnehmern verhalf uns gegenseitig besser kennenzulernen. Außerdem gab es mehrere Seminare zur interkulturellen Verständnisfragen und ein Training zu Deutsch-

Amerikanischen Relationen. Selbst wenn uns eine ganze Woche für ein Vorbereitungsseminar relativ viel vorkam, bekamen wir letztendlich weitestgehend nützliche Informationen zu unserem Jahr. Durch die Menge an Informationen bin ich der Meinung, dass die Dauer genau richtig ist und eine Woche nicht unterschreiten sollte. Insgesamt wurden drei Redner eingeladen, die uns die Themen „Interkulturelles Training“ und „Politisch-Landeskundliche Vorbereitung" näher brachten. Meiner Meinung nach, haben uns zum Bespiel die Rollenspiele zu möglichen Szenarien mit der Gastfamilie weitergeholfen. Jedoch muss ich auch betonen, dass die Seminare vielleicht ein gewisses Fundament aufbauen, letztendlich hängt aber viel vom Engagement und Flexibilität jedes einzelnen Teilnehmer und diversen Umständen ab, die die Eingewöhnungsphase erleichtern bzw. erschweren können. Dies sollte auf jeden Fall in den Vorbereitungsseminaren betont werden, um Missverständnisse und Enttäuschungen zu vermeiden. Das Programm bietet den Teilnehmern alle Rahmenbedingungen, gibt aber auch gleichzeitig Freiheiten, was dann ein gewisse Selbstständigkeit voraussetzt, besonders bei Angelegenheiten mit der Gastfamilie oder der Jobsuche, was natürlich auch mit der Entfernung der koordinierenden Organisation zusammenhängt. Bei Problemen sind die Collegekoordinatoren die erste Anlaufstelle.
In New York
In New York City angekommen, stand uns dann das nächste Seminar bevor. Die drei Tage wurden gründlich vorbereitet und beinhalteten Seminare, Ausflüge in New York City und die Weitergabe von Informationen zu diversen Themen wie zum Beispiel die Weiterreise zum Platzierungsort, zu vorbereitende Dokumente, Informationen zur Platzierung, zur Gastfamilie und zum College. Die Redner bereiteten uns auf Themen wie die Suche nach einem Auto und Tipps zur Arbeitssuche vor. Die Seminare waren zwar alle informativ, jedoch denke ich, dass die Handhabung von gewissen Formalitäten von Staat zu Staat so verschieden ist, dass man am besten alle möglichen Tipps im Hinterkopf behält, sich aber letztendlich selbst an die Behörden wendet und sich dort persönlich oder auf deren Website informiert.
Meiner Meinung nach haben wir seitens CDS reichliche Informationen bekommen und wurden im Grunde genommen gut vorbereitet. Es gab anfangs einige Startprobleme, da man noch einige Tage im Land sein musste, bis man dann eine Sozialversicherungsnummer beantragen konnte, die unter anderem für die Beantragung eines Führerscheins, den Autokauf, für die Jobsuche und jede Menge anderer Formalitäten erforderlich war. Zu Beginn konnte mich meine Gastmutter noch zu sämtlichen Behörden und Collegetreffen bringen, allerdings war es wegen der Wartezeit schon sehr früh klar, dass ich bei meiner Platzierung in Chambersburg für die ersten paar Tage ein Mietwagen besorgen musste, da in meinem Platzierungsort keine öffentlichen Verkehrsmittel vorhanden waren. Meiner Meinung nach gibt es besonders zu Anfang einige Startprobleme, auf die man sich selbst erst einmal einstellen muss und eine gewisse Gewöhnungsphase erforderlich macht. Die Vorbereitung durch die Seminare in Berlin und New York gaben mir zwar eine gute Basis um mögliche Probleme zu überarbeiten, letztendlich muss ich jedoch wieder betonen, dass jeder Teilnehmer sich bemühen sollte, sich auf neue und unvorhergesehene Hindernisse einzustellen. Leider kommt seit dem letzten Jahr auch noch die schwierige wirtschaftliche Lage hinzu, die die Jobsuche erschwert. Die Seminare, die uns ermutigen ein großes soziales Netzwerk aufzubauen und die Tipps, wie man sich angemessen bewirbt, sind ein guter Anfang. Aufgrund der zurzeit sehr negativen Arbeitsmarktlage, würde ich aber vorschlagen, dass besonders in den Vorbereitungsseminaren noch einmal betont werden sollte, wie wichtig und nützlich es ist, im Vorfeld durch eine deutsche Firma o.ä. eine Beschäftigung zu suchen.
Weiterreise zum Platzierungsort
Die Organisation der Weiterreise zum Platzierungsort verlief spannend und gut organisiert. Mich und zwei weitere Teilnehmer führte die Weiterreise nach dem Seminar in New York nach Scotch Plains, New Jersey. Wir erhielten Zugtickets für den New Jersey Transit, der uns dann mit einem Umstieg in die Nähe von Scotch Plains brachte, wo uns dann unsere vorläufige Gastmutter erwartete. Die Gastfamilie war sehr freundlich und zuvorkommend. Da ein Familienmitglied bereits einmal an dem Programm teilnahm, war die Begeisterung und das Interesse seitens der gesamten Familie sehr groß. Die drei Tage, die wir dort verbrachten, waren bereits von der Familie größtenteils verplant und somit konnten wir schon einige Sehenswürdigkeiten in der Gegend ansehen, wie zum Beispiel die Princeton University, der New Jersey Beach, eine riesige lokale Mall und vieles mehr. Zurück ging es dann erneut mit dem NJ Transit Richtung New York und von dort aus zu unseren endgültigen Platzierungsorten. Für einen anderen Teilnehmer und mich ging es dann mit dem Greyhound-Bus weiter Richtung Philadelphia und letztendlich nach Harrisburg. Die Reise verlief durch den Zwischenstopp in Philadelphia recht lang, jedoch haben wir einiges von der Pennsylvania-Landschaft erleben können. Da der Greyhound-Bus anscheinend auch größtenteils von Einheimischen in Anspruch genommen wird, war die Busreise ein kleines Abenteuer in den Alltag der Amerikaner, die zwischen den Städten pendelten.
Wohnsituation

Untergebracht wurde ich bei einer alleinstehenden Frau namens Patti, einer Dekanin einer örtlichen Universität, die auch in dem Harrisburg Area Community College lehrte und somit in Kontakt zu meiner Collegekoordinatorin kam. Der Empfang erfolgte sehr herzlich und das Interesse an mir und das Programm war sehr groß und hat auch bis heute nicht nachgelassen. Patti half mir bereits zu Anfang mit jeglichen Behördengängen und brachte mich, soweit sie die Zeit aufbringen konnte, zu allen Collegeveranstaltungen, solange ich noch nicht über mein eigenes Auto verfügen konnte. Auch die Eingewöhnungsphase verlief durch ihre persönliche und offene Art sehr schnell, sodass sich sogar nach über 5 Monaten immer noch so gut wie kein Heimweh einschleichen konnte. Meine Gastmutter besitzt ein relativ großes Einfamilienhaus und bereitete für mich ein Zimmer vor. Auch bot sie mir an, die restlichen Räumlichkeiten mitbenutzen zu können. Bei der Verpflegung entstanden auch nie Probleme. Solange sie zu Hause ist, bereitet sie das Essen vor, ansonsten steht es mir frei, mir jederzeit meine eigenen Mahlzeiten anzurichten. In meinem Fall geht ihr Engagement also weit über ihre Verpflichtungen laut Programmbedingungen hinaus. Sehr positiv empfinde ich auch das persönliche Verhältnis, das sich in den letzten Monaten entwickelt hat. Sie fragt regelmäßig nach meinem Befinden und wir tauschen regelmäßig persönliche und interkulturelle Erfahrungen aus.
Kulturelle Erfahrungen
Meinen Community Service habe ich bisher an zwei Stellen abgeleistet. Durch meine Gastmutter wurde ich in die Aktivitäten der Heart Walk Association involviert, eine Organisation, die regelmäßig Marathons veranstaltet und sich für herzkranke Menschen einsetzt und durch den Lauf Spenden sammelt. Ich habe unter anderem mit dem Aufbau und Abbau der Stände mitgeholfen und beim Kinderschminkstand Gesichter bemalt. Zuletzt bin ich dann auch mit meiner Gastfamilie eine Teilstrecke mitgelaufen. Des Weiteren bin ich durch die Shippensburg University, einer Hochschule im Nachbarort, auf den Circle K-Club gestoßen. Dieser Club ist ständig auf der Suche nach Freiwilligen, die gerne an verschiedenen Stellen in der Gemeinde mithelfen möchten, sei es bei der Unterstützung für Blutspenden für das Rote Kreuz oder für die Essensausgabe in Obdachlosenheimen usw. Gemeinsam mit einer Freundin, empfingen wir dann zum Beispiel für das Rote Kreuz Blutspender, informierten sie über den Verlauf und stellten sicher, dass sie die Rahmenbedingungen für eine Blutspende erfüllten. Aktivitäten zu finden ist in Harrisburg relativ leicht. Durch langjährige Erfahrungen seitens des Harrisburg Area Community Colleges mit internationalen Studenten wurde von Anfang an eine gute Basis für Bekanntschaften gelegt. Noch vor Beginn des Semesters wurde vom College ein Seminar für alle internationalen Studenten durchgeführt, dass uns über die Aktivitäten des Colleges und sonstige Informationen zum Studium

informierte. Dazu wurde ein großes Picknick und ein Ausflug in das Capitol und das Whitaker Science Museum organisiert, was bereits dazu verhalf die ersten Kontakte zu knüpfen. Insgesamt sind dieses Jahr über 50 internationale Studenten mit über 15 verschiedenen vertretenen Nationalitäten im HACC eingeschrieben. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Events, Galerien, Konzerte und Ausstellungen, die vom College angeboten werden. Es gibt jede Menge Clubs, die Studenten dazu einladen an bestimmten Aktivitäten teilzunehmen. Bisher habe ich an Konzerten, Ballettaufführungen und Kunstaustellungen teilgenommen. Ein Highlight war bisher auch die Einladung zu einer Rede von Fidel Castros Tochter, Alina Fernandez, die uns über das Leben in Cuba und unter einem einflussreichen Vater und Regime erzählte. Im Anschluss gab es noch die Gelegenheit Fragen zu stellen. Der International Awareness Club leistete den größten Beitrag, was Aktivitäten mit und für internationale Studenten anging. Es gibt regelmäßig Treffen in einer größeren Gruppe, in denen einfach nur Erfahrungen ausgetauscht werden, zusammen Aktivitäten geplant und durchgeführt werden, wie zum Beispiel Ausflüge, Kinobesuche, Outdoor-Aktivitäten und vieles mehr. Typisch Amerikanisch sind zum Beispiel auch Open-Mic Events. Das sind Abende, in denen sich junge Leute in einem bestimmten Ort zusammentreffen, sei es in einem Café, Club oder Privathaus, um den Abend gemeinsam zu verbringen. Jeder Besucher kann etwas zu dem Abend beitragen: Gedichte, Musikstücke, Pantomime, selbstgeschriebene Songs, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Das College Semester
Mit meiner Collegekoordinatorin, Jennifer Daley, konnte ich mich bereits vor Semesterbeginn in Verbindung setzen und sie beantwortete meine Fragen recht zügig. Sie gab mir Hilfestellung in Fragen bezüglich der Gastfamilie, Registrierung von Kursen, Angelegenheiten zu Studiengebühren, Campusjobs u.v.m. Des Weiteren wurden wir per Email stets über aktuelle Collegeveranstaltungen informiert. Sehr lobenswert ist auch ihr persönliches Engagement alle internationalen Studenten so gut wie möglich kennenzulernen und durch Vorbereitungsseminare und Ausflüge zusammenzubringen.

Die Qualität des Unterrichts ist meiner Meinung nach vergleichbar mit den Berufskollegs in Deutschland. Größtenteils hängt das Niveau natürlich auch vom jeweiligen Lehrer und dem Wissensstand der Klasse ab. Einziges Manko ist wie ich feststellen konnte die Quantität. Die meisten Studenten sind mit der Menge an Aufgaben recht überfordert, was darauf hinausläuft, dass gleichzeitig Lehrer und Studenten nicht hinreichend tief in die jeweilige Thematik der Fächer eingehen können. Meiner Meinung nach liegt der Schwerpunkt in den meisten Fächern eher in der Wiedergabe von Fakten. Meist wird die Thematik nicht analysiert oder hinterfragt. Mir ist auch aufgefallen, dass viele Professoren ihren Unterricht mehr wie eine Vorlesung halten. Fragen seitens Studenten sind zwar durchaus erlaubt, seitens Lehrer gibt es jedoch kaum Anregung für Mitarbeit. Auch Gruppenarbeiten sind eher spärlich und Studenten werden kaum in den Unterricht mit eingebracht. Wie bereits erwähnt, gibt es allerdings auch Ausnahmen. Einige Professoren legen auch auf die mündliche Mitarbeit, Gruppenprojekte und Vorträge wert. Dies hängt sehr vom Engagement der Lehrer ab. Natürlich ergaben sich ab und zu auch Schwierigkeiten durch die Fremdsprache. Unbekannte Wörter und vor allem verschiedene Akzente und Aussprachen stellten besonders zu Beginn eine Hürde dar. Durch die Wahl meiner Kurse (Geschichte, Erdkunde, Kunst und Tennis) wurde die Eingewöhnung jedoch erleichtert, da ich mich mit recht wenigen technischen Fachwörtern auseinandersetzen musste und mich relativ leicht in die Thematik hineinversetzen und selbst bei neuen Fremdwörtern den Zusammenhang meist gut nachvollziehen konnte.
Zu Verbesserungen meiner Englischkenntnisse kann ich immer nur betonen, dass ein Aufenthalt in dem jeweiligen Land mehr als empfehlenswert ist. Besonders der Aufenthalt in einer Gastfamilie und das Collegesemester tragen einen Großteil zu der Verbesserung bei. Auch wenn man eventuell die Theorie im Vorfeld beherrscht, wird man doch letztendlich in der Realität vor zahlreichen Herausforderungen gestellt. Akzente, feste Redewendungen, Redensarten, Sprichwörter, Slangs und Wortneuschöpfungen sind nur einige Beispiele und Gründe, weshalb man nie auslernt und jeden Tag seinen Wortschatz automatisch erweitert. Die tägliche Konfrontation mit der Fremdsprache nimmt außerdem die Angst vor Fehlern und Missverständnissen, die natürlich auch nach Monaten immer noch häufig genug auftauchen können. Den ersten Erfolg kann man sehen, wenn man aufhört jeden Satz, den man ausdrücken möchte, vorher in Gedanken auf Deutsch zu formulieren und dann ins Englische zu übersetzen. Mit der Zeit wird die Aussprache immer flüssiger und man beginnt sogar gelegentlich auf Englisch zu denken. Sorgen muss man sich dann machen, wenn man anfängt, Deutsche Wörter zu vergessen und man gezwungen ist, sie dann im Wörterbuch nachzuschlagen.