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Theresa Gaßmann

Die Bonner PPP-Stipendiatin Theresa Gaßmann (2005/2006)


Theresa ist die vierte Schülerin, der ich über das Parlamentarische Patenschaftsprogramm (PPP) einen einjährigen Bildungsaufenthalt in den USA vermitteln konnte. Sie ist seit August 2005 für 10 Monate bei einer Gastfamilie in Brookeville, Maryland. Hier veröffentlichen wir ihre Berichte über ihren Aufenthalt.

Sollten Sie Fragen an Theresa Gaßmann haben, dann leiten wir diese gerne an sie weiter: eMail


1. Bericht - Die Vorbereitung
2. Bericht vom 21. Juli 2005
3. Bericht vom 3. September 2005
4. Bericht vom 4. Oktober 2005
5. Bericht vom 10. Dezember 2005
6. Bericht vom 1. Januar 2006
7. Bericht vom 14. März 2006

8. weitere Berichte, die Theresa mir nach ihrer Rückkehr zugesandt hat

9. Abschlussbericht



1. Bericht - Die Vorbereitung

“We rocked Bad Bevensen!”- 1. Bericht vom 16.5.2005


Wie mir schon seit einiger Zeit bekannt war, erwartete mich vom 7.5.2005 bis zum 14.5.2005 ein Seminar im Gustav- Stresemann- Institut in Bad Bevensen (Lüneburger Heide). In diesem Vorbereitungsseminar (VBS) sollte eine Gruppe von 30 PPP- Stipendiaten ausführlich auf den Auslandsaufenthalt in den USA vorbereitet werden. Zusätzlich standen 3 Tage deutsche Geschichte auf dem Programm, in denen wir uns mit der deutschen Vergangenheit ab 1933 auseinandersetzten.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl stieg ich am 7.5.2005 morgens in Bonn in den Zug nach Hamburg. Viele Fragen schwirrten in meinem Kopf umher.

Wer würden die anderen Stipendiaten sein? Würde es schwer sein, neue Bekanntschaften zu machen? Welche Seminarleiter erwarteten uns? Wie genau sah unser Programm aus?

Nach etwa 4 Stunden Zugfahrt musste ich das erste Mal umsteigen und traf dabei einen anderen Stipendiaten, mit dem ich den Rest der Reise zurücklegte. In Bad Bevensen angekommen, trafen wir direkt 3 weitere PPPler, mit denen wir dann den Fußweg bis zur europäischen Akademie bestritten.

Im Gustav- Stresemann- Institut wurden wir stürmisch von unseren Teamern begrüßt. Das Leiter- Team, bestehend aus 3 Mädels und 3 Jungs im Alter von 19- 31 Jahren, die einmal ein Jahr in den USA verbracht hatten, war uns von Anfang an sehr, sehr sympathisch. Sie konnten uns alle Fragen, die uns auf der Zunge brannten, auf eine sehr persönliche Weise beantworten und uns noch viele weitere Tipps mit auf den Weg geben.

Die nächsten 2 Stunden verbrachten wir damit uns gegenseitig kennen zu lernen, das Haus zu erkunden und das erste Mal gemeinsam zu Abend zu essen. Das Essen war übrigens immer hervorragend, für uns waren die Mahlzeiten „Generalproben für Amerika“. Wir nannten sie so, weil die Teamer uns das Vorurteil bestätigten, Amerikaner würden sehr viel und sehr oft essen- genauso wie wir in Bad Bevenesen. Am Abend erwartete uns eine große Kennenlernrunde, gestaltet von unseren Teamern.

Das Kennenlernen 30 neuer Leute erwies sich als keine schwere, aber trotzdem lehrreiche Probe für Amerika. In den USA werden wir auch, mit, uns völlig unbekannten Personen, konfrontiert werden und wollen, genauso wie in Bad Bevensen, schnell neue Freunde kennenlernen.

An diesem Abend erlernten wir bereits unsere ersten „Experiment- Cheers“ und Team- Spirit- Übungen. Am Anfang verhielten sich alle sehr schüchtern und abwartend, doch bereits ab dem 3. Tag brüllten wir das ganze Haus zusammen.

Am Sonntag hörten wir ein Referat zum Thema „Culture and Society“, in dem zum ersten Mal die 3 großen Fragen „Woher komme ich?“, „Wer bin ich?“, „Wohin gehe ich?“ aufgegriffen wurden. Die Teamer regten uns dazu an, sie nicht nur mit „Ich komme aus Bonn!“, „Ich bin Theresa!“ und „Ich gehe nach Amerika!“, sondern tiefgründiger zu beantworten. Der Inhalt des Referates wurde uns anhand von Spielen nähergebracht. Wir Austauschschüler merkten uns die erlernten Kenntnisse über unsere eigene Person und Kultur sehr schnell. An diesem Tag wurden uns auch 5 Aussagen erläutert und, im Verlauf der Woche, immer mit einbezogen:

Von Montag bis Mittwoch wurden wir tagsüber von einer Referentin des Hauses betreut, die uns die deutsche Geschichte näher brachte. Wir arbeiteten viel in Gruppen und stellten anschließend unsere Ergebnisse im Plenum vor. Am Dienstag stand der Besuch des ehemaligen KZs Neuengamme auf dem Plan. Wir besichtigten das Gelände, sowie verschiedene Ausstellungen.

Dieser Besuch brachte uns alle zum Nachdenken über die deutsche Vergangenheit und zum diskutieren z. Bsp. über die Schuldfrage der Deutschen.

Am Mittwochabend belagerten wir die Grillhütte hinter dem Institut bis spät in die Nacht und sangen unserer gelernten Cheers etc....

Ab Donnerstag übernahmen unsere Teamer wieder die inhaltliche Gestaltung.

Wir hörten ein Referat über die amerikanische „High School“, dessen Inhalt wir in den Kleingruppen bearbeiteten.

Am Freitag stand das Referat über „Family“ auf der Tagesordnung, in dem wir viel über den Umgang mit der Gastfamilie und unserer Familie in Deutschland lernten und in den Kleingruppen weiter vertieften. Abends stand die große Talent- Show an, bei der von A- Z alles dabei war. Von 1 Uhr bis morgens um 6 Uhr tanzten wir uns die Füße wund, legten uns für 2 Stunden schlafen und starteten etwas verschlafen in unseren letzten gemeinsamen Tag. Es standen noch die letzten Arbeitseinheiten an, in denen wir ein Fazit erstellten.

Dann war es soweit, es hieß Abschied nehmen: Eigentlich blieb kein Auge trocken und wir versprachen uns, uns gegenseitig noch vor Amerika zu besuchen.

Spätestens sehen wir uns alle am Flughafen in Frankfurt wieder und bis dahin werden wir uns alle sehr vermissen. Denn innerhalb dieser, einfach nur tollen und lehrreichen Woche sind schnell neue Freundschaften entstanden.

Wir 30 „Botschafter“ haben in dieser Woche so viel über die deutsche und amerikanische Kultur und Gesellschaft gelernt, dass wir uns sicher sind, Deutschland in den USA gut vertreten zu können.

Jetzt habe ich das Gefühl sehr gut vorbereitet meinen Aufenthalt angehen zu können und zähle die Tage bis zum 11. August!


2. Bericht

„The Johannes family sends you a photo album!“- 2. Bericht vom 21.7.2005


21 days left!!!!
- Diesen Satz findet man zur Zeit in jedem Gästebuch der PPPler.

Auch für mich hat das kommende Auslandsjahr jetzt richtig Gestalt angenommen, denn vor zwei Wochen habe ich meinen Zielort in den USA und letzte Woche dann auch endlich meine Gastfamilie zugeteilt bekommen.

Ich werde die nächsten 10 Monate in Brookeville in Maryland verbringen. Als ich diesen Ort auf meiner großen USA- Karte gesucht habe, war ich etwas verzweifelt, denn ich konnte beim besten Willen kein Brookeville entdecken. Dank einer großangelegten Suchaktion im Internet habe ich dann Genaueres erfahren.

Brookeville (120 Einwohner) liegt 2km von Olney entfernt. Olney ist mit 30.000 Einwohnern eindeutig größer und liegt 30km nördlich von Washington D.C. entfernt!

Letzte Woche, als ich nichts ahnend, meinen eMail- Account öffnete, strahlte mich eine eMail mit dem Betreff „The Johannes family sends you a photo album!“ an.

Dies war also die erste eMail meiner Gastfamilie. Sie schickten mir gleich 73 Fotos vom letzten Weihnachtsfest.

Meine Gastfamilie besteht aus Karen (38), David (42), Rachel (9), Justin (6) und dem Hund Max. Seit einigen Tagen bin ich nur noch damit beschäftigt, eMails zu beantworten und Fotos hochzuladen....Ich kann nur sagen: Das Warten hat sich gelohnt! Wir haben direkt viele Gemeinsamkeiten entdeckt und ich freue mich wahnsinnig die „Johannes family“ kennen zu lernen. Nebenbei erfuhr ich in einer eMail, dass ich am 17. August schon mit meiner Gastfamilie auf die Outer Banks in North Carolina für 9 Tage in Urlaub fahren werde.

Am Mittwoch dann noch eine wichtige Information per Post: meine High School! Ich werde auf die Sherwood High School in Silver Spring gehen. Die ersten Tage werden mich meine Gasteltern den 5 km langen Schulweg fahren, später werde ich dann mit dem Schulbus mitfahren. Die High School ist mit 2200 Schülern und Schülerinnen nun wirklich nicht klein, aber überschaubar.

Seit Mittwoch bin ich also mit den grundlegenden Informationen ausgestattet und muss mich jetzt den konkreten Reisevorbereitungen zuwenden: Koffer kaufen, Gastgeschenke kaufen, Geld umtauschen, einen Bank-Account einrichten und noch viel, viel mehr.

Ich muss mich von den ersten Freunden verabschieden, was mir nicht so leicht fällt. Aber die Vorfreude auf mein Auslandsjahr überwiegt natürlich.

Manchmal möchte ich am liebsten schon im Flugzeug sitzen, ein andermal würde ich die Zeit gerne aufhalten. Aus Telefonaten mit anderen PPPlern weiß ich, dass ich nicht die Einzige bin, der es so ergeht.

Also: 21 days left!!!!


H wie Host Family, Holiday und High School - 3. Bericht vom 3.09.2005

Seit meinem letzten Bericht sind schon einige Wochen vergangen….Ich bin heute genau seit 24 Tagen in den USA und seit 22 Tagen in meiner Gastfamilie. Mir geht es sehr gut hier, obwohl ich natuerlich die Vertrautheit mit allen und allem in Bonn sehr vermisse.

11. August

Der grosse Tag war gekommen, mit 2 Koffern, 20 und 32 kg schwer (erlaubt waren 64 kg), stieg ich fruehmorgens verschlafen, aufgeregt und etwas traurig ins Auto nach Frankfurt. Als ich dort die anderen PPPler traf, war schon mal der erste Abschiedsschmerz verflogen. Nach dem einchecken und der offiziellen Verabschiedung hiess es dann Abschied von der Familie nehmen, was allen sehr, sehr schwer gefallen ist.

Doch uns blieb nicht viel Zeit zum traurig sein, schliesslich wartete schon unser Flugzeug auf uns. Mit einer Stunde Verspaetung rollten wir auf die Startbahn…Fuer die Meisten war das Abheben der Boeing der Startschuss fuer das langersehnte Austauschjahr…

Gut gefuettert und froh, endlich das Flugzeug verlassen zu koennen, machten wir uns (noch im klimatisierten Flughafen) auf den Weg zur Einreise… Nach viel Hektik, Panik und Angst hatten wir dann aber alle sicher durch die Einreise und den Zoll durchgeschleust und wurden freudig von den Mitarbeiterin der amerikanischen Partnerorganisation CIEE begruesst. Mit unserem vielen Gepaeck, bekleidet mit dickem Pullover traten wir hinaus und schnupperten das erste mal Washingtoner Luft. Dieses “Erlebnis” hat uns wortwoertlich den Atem genommen. Sonne, ca. 36 Grad Celsius und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit!!!!!

Als wir im Hotel ankamen, waren ALLE, wirklich ALLE, total erschoepft und eigentlich zu nichts mehr faehig. Nachdem wir unsere Zimmer so lange getauscht hatten, bis sich jeder seinen Zimmerwunsch erfuellt hatte, gab es Dinner und danach noch ein Treffen mit den Teamern von CIEE. So langsam machte sich dann auch die Zeitverschiebung bemerkbar. Wir machten uns gegenseitig Komplimente wie:” Ach, du siehst auch wie eine lebende Leiche aus!”.

12. August

Dieser Tag wurde von unserer Sightseeingtour durch Washington und dem Besuch in der deutschen Botschaft dominiert, Koffer wurden wieder gepackt und die letzten Vorbereitungen fuer die Abreise getroffen.

13. August

DER Tag, an dem alle in ihre Gastfamilie kamen….

Die meisten PPPler mussten schon frueh aufbrechen, um ihre Flieger zu ihren Gastfamilien zu nehmen, ich persoenlich hatte Glueck und konnte den Tag langsamer angehen, da mein Gastfamilie mich direkt im Hotel abholte. Mit grosser Aufregung wartete ich in der Hotellobby auf das Eintreffen meiner Gastfamilie. Als sie dann endlich das Hotel betraten, schien ich bald vor Aufregung zu zerplatzen. Nach einer Stunde Autofahrt kam ich dann in meinem neuen Zuhause an. Ein sehr schoenes und grosses Haus inmitten einer wundervollen Landschaft. Ich habe ein eigenes Zimmer mit allem was das Herz begehrt. Den Rest des Tages verbrachte ich mit auspacken, Gastgeschenke verteilen und Karten spielen (mit meinen beiden Gastgeschwistern).

Die naechste Woche verbrachte ich damit, mich fuer die Schule zu registrieren, ein sehr langer und nerviger Prozess. Als diese Arbeit getan war, konnte ich mit freiem Kopf in unseren 10- taegigen Familienurlaub auf den Outer Banks in North Carolina starten. Waehrend dieser 10 Tage hatte ich die Moeglichkeit meine Gastfamilie besser kennen zu lernen.

Letzten Montag war dann fuer mich Schulbeginn at Sherwood High School. Ich bin ein Junior, d. h. ich gehe in die 11. Stufe. Ich habe jeden Tag die gleich Faecher in der gleichen Reihenfolge:

1. PreCalculus (Mathe)
2. Hon English 11
3. AP US History
4. Symphonic Band
5. Hon Biology
6. Spanish 4

7. Dance Choreography

Ich fahre mit diesen typisch amerikanischen gelben Schulbussen zur Schule. Der Bus holt mich hier um 6:40 Uhr ab (zu Beginn fuer mich ein Schock). Dafuer bin ich schon gegen drei Uhr zu Hause.

Ausserschulische Aktivitaeten mache ich bis jetzt noch nicht, allerdings moechte ich im Winter mit Volleyball beginnen. Ausserdem findet an unserer High School jaehrlich ein grosses Musical statt, fuer das viele Taenzer/innen gesucht werden. Dort moechte ich mich gerne bewerben.

Die Schule kostet mich sehr viel Energie, ich habe sehr viel Hausaufgaben und Tests, die ich taeglich erledigen muss. Wie mir zuvor in Deutschland von anderen Austauschschuelern erzaehlt wurde, waere amerikanische High School das Einfachste ueberhaupt. Diese Erfahrung kann ich leider nicht teilen, was vielleicht auch daran liegen mag, dass ich auf die zweitbeste Public High School im Umkreis von 200 km gehe.

Deshalb freue ich mich schon zu Beginn der Woche auf das Wochenende, intensiver als in Deutschland.

Mit meiner Gastfamilie habe ich grosses Glueck. Die Johannes Family ist sehr aktiv. So fliege ich z.B. Anfang Oktober mit meiner Gastmutter fuer einen Kurztrip nach San Francisco, nach Weihnachten verbringen wir alle 3 Tage in New York. Weitere Trips sind geplant und meine Gastfamilie plant bereits, mich naechstes Jahr in Deutschland zu besuchen.

Vom “Aftermath” des Hurricanes Katrina “spuere” ich hier nicht uebermaessig viel. Die Spritpreise jagen, wie auch in Deutschland, in die Hoehe und teilweise warten mehrere Leute an Tankstellen auf Benzin. Zur Zeit vermeide ich es, den Fernseher zur Nachrichtenzeit einzuschalten, da die Berichterstattung hier sehr detailliert ist und nach meinem Empfinden ethische Grenzen ueberschreitet (was wahrscheinlich nicht jeder so empfinden wuerde).

Viele Gruesse aus Brookeville in Maryland,

Theresa Gassmann

4. Bericht vom 4.10.2005


San Francisco- ein kurzer Reisebericht

Ich sass gestresst an meinen Hausuafgaben, als meine Gastmutter Karen gut gelaunt ins Arbeitszimmer reinspazierte und mir nebenbei erzaehlte: “We are gonna fly to San Francisco! Of course only if you want to!”

-------------------------Meine Antwort kann sich jeder denken!-----------------------

Letzten Samstag war es dann endlich so weit. Nach dem Geburtstag meines kleinen Cousins machten Karen und ich uns auf den Weg zum Washingtoner Flughafen um dann gut gelaunt den 6 Stunden Flug nach San Francisco anzutreten. Im Hotel angekommen, fielen wir auch schon todmuede in die Betten , die Zeitverschiebung um 3 Stunden macht sich schon bemerkbar.

Am naechsten Tag wachten wir um so frueher auf und machten uns um 7:00 Uhr mit der Metro auf den Weg nach Downtown San Francisco.

Wir machten eine Bootsrundfahrt, die uns unter der Golden Gate Bridge hindurch und zwischen Angle Island und dem Alcatraz Island entlang fuehrte. Das alles bei strahlendem Sonnenschein und knatschblauem Himmel!

Nach einem ausgiebigen Lunch auf einer der Terrassen im Fishermen` s Warf bestiegen wir eine der motorisierten Cable Cars, die einen durch ganz San Francisco bringen. Waehrend dieser hoechst amuesanten Fahrt kann man die Millionenhaeuser im viktorianischen Stil einiger Stars entdecken, mit Blick ueber die San Francisco Bay. Gegen so ein Haus haette ich auch nichts einzuwenden!

Es stand natuerlich noch das Hard Rock Café auf dem Plan, in dem ich erstmal Zeit damit verbrachte, ja das richtige T- Shirt herauszusuchen.

Natuerlich kraxelten wir die entlos lange und vor allen Dingen steile Strasse (wie alle in San Francisco) zur Lombard Street hinauf. Dort kann man die Fahrkunst der wagemutigen Autofahrer bewundern, die die kurvenreichste Strasse der Welt meistern.

Danach gingen wir einer meiner Lieblingsbeschaeftigungen nach: SHOPPEN

Shoppen in San Francisco ist nicht nur einfach einkaufen. Nein! Man hat immer einen wunderbaren Blick auf die Bucht und man bekommt das einzigartige Flair

San Francisco`s zu spueren.

Nach einem ausgiebigen Dinner in der Cheesecake Factory mit Blick ueber halb San Francisco bei Nacht machten wir uns nach einer 14 Stunden Sightseeing Tour auf den Weg zurueck ins Hotel.

Am naechsten Tag hiess es leider schon wieder Koffer packen. Obwohl es ein kurzer Kurztrip war, hat es sich auf jeden Fall gelohnt!

Meine Gastmutter kommt erst morgen wieder, sie muss noch weiter in San Francisco arbeiten, ich muss leider wieder in die Schule…….

Viele Gruesse aus dem immer noch warmen, heute leider bewoelkten Brookeville!

Theresa Gassmann

5. Bericht vom 10. Dezember 2005

SNOW- darauf folgt: SCHULFREI

Wie lange bin ich jetzt schon hier? Ich weiss es gar nicht........Es muessten ungefaehr 4 Monate sein. Die Zeit vergeht zwar nicht im Fluge, es passiert aber so viel, dass ich gar keine Zeit finde um Tage zu zaehlen.

Seit knapp 4 Wochen bin ich im Track&Field Team unserer High School. Track ist zu Deutsch Leichtathletik. Eigentlich Indoor Track- Da wir aber keinen Indoor Track haben, trainieren wir auch bei Minusgraden draussen: 6mal die Woche. Die erste Woche hatte ich Dauer- Muskelkater und habe sehr viel geschlafen. Meine Gasteltern mussten viel Gejammere aushalten!

Inzwischen ist der Muskelkater verschwunden. Naechste Woche habe ich meinen ersten Wettkampf bei dem ich in Weitsprung und Dreisprung antreten werde.

In den USA ist Sport ein grosses Thema. Fast jede/r Schueler/in ist in einem Sportteam der Schule. Kein Wunder- Schliesslich muss man keine Gebuehr bezahlen. Man kann pro Saison zwischen 10 verschiedenen Sportarten waehlen, die an der Schule angeboten werden. Ein solches Sportangebot waere wuenschenswert fuer deutsche Schulen, weil es JEDEM die Moeglichkeit gibt, auch nach der Schule sportlich aktiv zu sein.

Es ist wirklich sehr schoen, Mitglied einer amerikanischen Sportmannschaft zu sein. Man verbringt viel ausserschulische Zeit miteinander und waechst wie eine zweite Familie zusammen.

In der Schule habe ich jetzt endgueltig alle Tricks raus, so dass ich nicht mehr so viel arbeiten muss und mich auf meinen Sport und andere Dinge konzentrieren kann.....

...wie zum Beispiel Homecoming: Homecoming ist vergleichbar mit einer Party, auf die Jugendliche in Deutschland jedes Wochenende gehen. Fuer amerikanische Jugendliche ist Homecoming nur einmal im Jahr. Dementsprechend viel Wert wird auf die richtige Kleidung und die passenden Accessoires gelegt. Vor dem eigentlichen Tanz geht man mit Freunden oder seinem Date aus Essen. Ich hatte „das Glueck“ in einem In- Lokal gelandet zu sein. Letztendlich habe ich umgerechnet 40 Euro fuer mich alleine dalassen muessen. Der Abend war trotzdem gelungen.

Jetzt waere es noch interessant zu wissen, was eigentlich Homecoming ist. Homecoming kann man in 2 Events unterteilen:

  1. Das Homecoming Football Game mit dem das letzte Heimspiel der Hauptsaison gefeiert wird. Veranstaltungsort: Schule
  2. Der Homecoming Dance in der Schule am darauffolgenden Tag. Veranstaltungsort: Schule

Vergangenen Donnerstag hatten wir Thanksgiving. Endlich 4 Tage am Stueck schulfrei! Mit Thanksgiving gedenkt man an das friedliche Teilen der Ernte zwischen den ersten Siedlern in Amerika und der einheimischen Indianer. Viele amerikanische Familien besuchen ueber das Wochenende Verwandte oder laden ein. Wir gehoerten zu letzterer Gruppe. Meine Grosseltern, meine Tante und ihre Familie und mein Onkel verbrachten mit uns den Donnerstagabend. Grosser Bestandteil war natuerlich das Essen. Es war nicht einfach nur Essen- NEIN! Es galt sich die Baeuche vollzustopfen bis man nur noch ins Bett wollte. Das taten wir dann auch nach ein paar Gesellschaftsspielen mit der Familie.

Mit meiner Gastfamilie komme ich immer noch ausgezeichnet klar. Dafuer bin ich sehr dankbar. Mehrere meiner Freunde, die auch in den USA sind, berichten von Problemen mit ihrer Gastfamilie oder von Familienwechseln. Davon bin und werde ich auch (hoffentlich/ wahrscheinlich) verschont bleiben.

Morgen werde ich dann mit meiner Gastmutter das beruehmt beruechtigte Thanksgiving Shopping testen. Es soll extra Sonderangebote geben. Also beste Moeglichkeit um Weihnachtsgeschenke zu besorgen.

Achja, noch ein Wort zur Weihnachtsdekoration in Amerika: It` s not good or bad- But it really is different! Ich glaube in Deutschland wuerde man so etwas kitschig nennen…

Viele Gruesse aus dem kalten, aber noch schneefreien Maryland!

Link zu meiner Schulwebsite: www.sherwoodhs.org


Ein kleines Update (Da ich wieder mal etwas laenger gebraucht habe um die eMail abzusetzen):

Inzwischen hat es geschneit und wir hatten das Glueck, schulfrei zu haben. Wegen der Menge Schnee haette ich in Deutschland nie schulfrei bekommen. Ich werde mich aber natuerlich nicht beschweren! Die Begruendung ist, dass hier ja so viele Menschen Auto fahren und dann bei Eis..........Ja, in Deutschland fahren auch viele Leute Auto und trotzdem kriegen wir nicht wegen 7cm Schnee schulfrei.



6. Bericht 1.1.2006

Weihnachten, New York City, Silvester- tolle Mischung!

Da melde ich mich auch schon wieder aus dem leider schneefreien Brookeville. Die Feiertage sind vorbei, damit auch beste Heimwehzeit (was ich gar nicht hatte). Laut Erfahrungsberichten anderer Austauschschueler geht es ab jetzt rasend dem Ende des Jahres entgegen. Ich weiss nicht, was ich darueber denken soll, denn einerseits geniesse ich das andere Leben hier aber andererseits freue ich mich natuerlich auch auf meine Familie und meine Freunde in Deutschland.

Jetzt aber zu den eigentlichen Thema des Artikels...

..Weihnachten:

Schonmal vorweg: Weihnachten habe ich nicht traditionell amerikanisch gefeiert. Da meine Gastmutter polnische, damit europaeische Wurzeln hat, wurde in unserem Haus auch Heiligabend gefeiert. Um 16:00 Uhr stand auch der katholische Weihnachtsgottesdienst auf dem Tagesplan. Danach wurde ausgiebig mit der ganzen Familie (= Oma, Opa, Tanten und Onkels) gegessen und gelacht. Heiligabend wurden die Geschenke untereinander ausgetauscht, also die Geschenke, die nicht offiziell von Santa Claus kommen. So viele Geschenke habe ich noch nie in meienm Leben auf einmal gesehen, scheint aber an Amerika zu liegen. Alle Austauschschueler waren ueberwaeltigt von der Quantitaet der Geschenke.

Am naechsten Morgen hiess es dann (leider) sehr frueh aufstehen, um die Santa Claus Geschenke auszupacken. Wieder einmal massenweise grosse Geschenke.....

Abends ging es dann zu den Eltern meines Gastvaters wo seine ganze Familie zusammen kam und wir uns natuerlich wieder den Bauch vollstopften. Weihnachten viel insgesamt sehr kurz aus, da wir am naechsten Tag nach New York aufbrechen „mussten“ (eher wollten):

Ich hatte das Glueck, fuer 4 Tage im Marriott mitten in Manhattan zu „residieren“. Saemtliche Attraktionen waren nur 10 min. zu Fuss entfernt. Ich bin das erste Mal in einer richtig langen Limousine gefahren (weil wir sonst ja getrennte Taxis haetten nehmen muessenJ) und habe die Rockettes am Broadway gesehen. Ich war auf Liberty Island, auf Ellis Island (The Gateway to America) und habe dann auch noch 2 Stunden Warteschlange in Kauf genommen, um New York von der Spitze des Empire State Buildings bewundern zu koennen. Natuerlich stand auch Ground Zero auf dem Plan, ein beeindruckender Ort, an dem man sich bewusst wird, was am 11. September 2001 fuer ein Chaos und Entsetzen in New York geherrscht haben muss. Natuerlich musste ich auch in NYC das traditionelle Hard Rock Cafe Souvenir aussuchen, direkt am Times Square. Mit meinem Gastvater habe ich auch das MoMA (Museum of Modern Art) besucht. Natuerlich durfte Shoppen nicht fehlen, wo ich mich lieber auf die weniger teuren Geschaefte als meien Gastmutter konzentriert habe. Ich habe mich total ueber die typisch europaeischen Geschaefte, wie den Lindt Shop und meine Lieblings Klamottenladen (den, den man in Europa an jeder Strassenecke findet), gefreut.

Von New Year` s Eve hatte ich eigetnlich nicht viel erwartet, weil partymaessig hier nicht wirklich viel los ist. Die Rechnung hatte ich aber ohne meine Gasteltern gemacht, mit denen Silvester zu einer lustigen Angelegenheit wurde. Jenny, eine andere dt. Austauschschuelerin hatte ein sleepover hier. Wir haben die Kueche bald mit Fondue in Flammen gesetzt (was an dem selbstgebastelten Fonduetopf lag) und uns die Baeuche (mal wieder) mit allerlei Essen vollgestopft. Da gerade an dem Tag endlich das Paekt meiner Eltern mit meinen allerliebsten dt. Filmen und allerlei Leckereien angekommen war, verbrachten Jenny und ich lange Zeit vor dem Laptop mit Apple Cider und echten dt. Marzipankartoffeln. Um Mitternacht durften wir sogar mit Champagner anstossen. Um das neue Jahr direkt gemuetlich angehen zu lassen, hiess es erstmal ab in den Whirlpool in dem dann eifrig die guten Vorsaetze fuer 2006 gemacht wurden.

Leider ist auch der gestrige Abend vorbei, jetzt heisst es fuer 2 Wochen Augen zu und durch, denn die Examen stehen vor der Tuer. Die Quantitaet der Hausaufgaben ueber die kurzen Ferien war leider identisch mit der Quantitaet der Weihnachtsgeschenke. Uebermorgen muss ich wieder in die Schule, leider habe ich noch nicht wirklich die Hausaufgaben erledigt. Das verspricht einen langen Arbeitstag morgen.

Allen eine frohes neues Jahr! Ich hoffe alle hatten schoene Feiertage!

Mit vielen Gruessen, Theresa Gassmann


Wie die Zeit im Fluge vergeht - 7. Bericht 14. Maerz 2006


Ich kann es gar nicht fassen: Seit meinem letzten Bericht sind schon knapp 3 Monate vergangen- unglaublich. Es ist so viel passiert, dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll. Vielleicht am besten da, wo ich das letzte mal aufgehoert habe...

...Das waeren die Examen. Amerikanische Schueler muessen jedes Halbjahr so etwas wie dt. „Lernstandserhebungen“ nehmen, die aber benotet werden und mit in die Endnote einbezogen werden. Ich habe unerwartet gut abgeschnitten, gluecklicherweise, denn ich hatte doch noch ziemlich viel gelernt. Es waren 5 Tage, die ich nicht vermisse: Examen, Lernen, Schlafen; Examen, Lernen, Schlafen etc...

Nach diesen stressigen Tagen kam dann aber auch schon wieder ein sehr schoenes Erlebnis: 4 Tage SKIURLAUB in Deep Creek Lake, in den „Bergen“ Marylands. Meine Gastfamilie hatte ein Hause direkt an der Piste gemietet, in dem sogar noch Platz fuer eine Freundin von mir war. Nunja- was macht man im Skiurlaub?!? Ski fahren und sich am Abend ueber wahnsinnigen Muskelkater beschweren, Filme gucken und dann schlafen. Wir besichtigten auch das Grundstueck meiner Gasteltern mit Blick ueber den ganzen See, auf dem in den naechsten 2 Jahren ein nettes Haeuschen entstehen soll.

Im Februar wurden wir mit Schnee belohnt: SCHULFREI! Es gab um die 40 cm Schnee...Lustig, darueber zu schreiben ,denn gerade sitze ich im T- Shirt und Rock draussen am Laptop: Es ist sonnig und wir haben 25 Grad Celsius. TRAUMHAFT!
Das Wetter hier ist generell aehnlich dem Bonner Wetter, aber extremer. Es wird schnell sehr kalt und schnell sehr warm.

Aber jetzt zurueck zur chronologischen Reihenfolge: Mitte Februar war Geburtstagswoche in der Johannes Familie: Mein Gastbruder, mein Gastcousin und ich alle in derselben Woche. So kam es dann auch, das mit der Familie alle drei Geburtstage zusammen gefeiert wurden. Mit meinen Freunden feierte ich natuerlich getrennt am naechsten Wochenende. Aufgrund der ganzen Festlichkeiten war ich auch gar nicht ueberrascht, dass die Waage nach der Woche 5 Kilo mehr anzeigte. Damit waeren wir beim beliebten Thema: Gewichtszunahme in den USA! Ich hoere von vielen, dass das Gewicht um die 10-15 Kilo in die Hoehe rast (Ist das richtig? Hier sieht man, das ich inzwischen Probleme mit festen dt. Ausdruecken habe). Ich persoenlich scheine Glueck zu haben. Man sollte die Moeglichkeit nutzen, High School Sport zu machen- damit waeren alle Gewichtsprobleme geloest und man kann sich auf wichtigere Dinge konzentrieren.

Im Moment habe ich nur ein Ziel vor den Augen: Osterferien. Dann geht naemlich ein Traum in Erfuellung: Ich fliege in die Karibik! Genuer gesagt auf das Grand Bahma Island zusammen mit meiner Gastmutter. Meine Gasteltern waren sich einig, das meine Gastgeschwister zur Zeit so glaenzend im nerven und streiten sind, dass es sich nicht lohnen wuerde, sie mitzunehmen. So fliege ich alleine mit meiner Gastmutter fuer 5 Tage. Ich wusste vorher gar nicht, wie nah die Bahamas eigentlich schwimmen: Nur 3 Stunden Flug von Washington DC!

Anfang April kommt aber noch ein „Model UN“ Meeting fuer 4 Tage in der George Washington University. Model UN ist ein nationales High School Programm, das „Delegierte“ (ausgewaehlte Schuler) quer durch die USA schickt und dann 4 Tage in Washington ueber aktuelle politische Themen debattieren laesst. Dabei uebernimmt jeder Schueler eine andere Position: Ich bin russische Delegierte, Expertin betreffend humanitaere Katastrophen und Einsaetze. Auf dieses Meeting muss ich mich nun vorbereiten. Ich freue mich aber schon sehr darauf, andere Schueler aus den ganzen USA kennenzulernen.

Link: http://www.wamunc.com/

Wie man lessen kann, geht es mir hier sehr gut und ich bin dankbar fuer alle neuen Eindruecke und Erfahrungen die ich hier mache. Es sind noch 3,5 Monate uebrig- nicht sonderlich viel. Ich freue mich schon auf zu Hause, auch wenn ich hier alles geniesse.

Sonnige Gruesse aus den USA!
Theresa Gassmann



Theresa in WashingtonEndlich komme ich mal dazu, ein paar Bilder einzufuegen:

Das bin ich vor dem Washington Memorial und dem Reflecting Pool in Washington DC.



 

 






Dieses Bild ist in San Francisco entstanden (Oktober 2005). Im Hintergrund Alcatraz Island.


 

 



Das bin wieder ich, diesmal vor der

Freiheitsstatue in New York City im Dezember 2005.


Berichte vom Januar 2007

The Grand Bahama Island

 

Es ist schon neun Monate her, dass ich auf den Bahamas war! Wenn man sich das mal überlegt, ist das fast so lange her, wie ich insgesamt in den USA war.... Doch ich kann mich noch heute ganz genau an den Tag erinnern, an dem meine Gastmutter mich morgens früh aus dem Bett schmiss, um zum Flughafen zu fahren. Vorher durfte der obligatorische Starbucks Coffee nicht fehlen (Das kannte ich ja bereits von der Reise nach San Francisco). Gestärkt und in Urlaubsstimmung parkten wir im Parkhaus 2, Deck 8, Reihe 16- Stammplatz meiner Gastmutter, um eine Autosuche nach der Rückreise zu verhindern. Sobald wir das Terminal betraten war klar: Dies würde kein leichtes Einchecken sein. Ganz Amerika schien sich auf dem Weg in den Urlaub zu befinden. Nach 2 Stunden im reinsten Chaos schafften wir es, uns 10 min. vor Abflug auf den Weg zum Gate zu machen. Wir kamen trotzdem wie geplant (noch am selben Tag) auf dem Grand Bahama Island an. Dort erwartete uns strömender Regen und eine volle Hotel- Empfangshalle. Na super! Meine Gastmutter und ich beschlossen: Wir würden dem Wetter und allen Umständen trotzen!

Das taten wir dann auch: Die nächsten 5 Tage waren sehr erholsam und, um ehrlich zu sein, nicht gerade intellektuell. Die meiste Zeit verbrachten wir am Strand. Das absolute Highlight des Urlaubs war das Schwimmen mit Delphinen: Dazu fuhren wir mit einem Boot um die halbe Insel, um dann in einer warmen, türkis- blauen Lagune mit 4 Delphinen und noch 6 anderen Menschen zu schwimmen. Ich werde nie vergessen, wie sich Delphine anfühlen: Überhaupt nicht nass oder glitschig, auch nicht kalt. Im Gegenteil: man könnte die Haut mit einer menschlichen Fingerkuppe vergleichen. Zum Abschluss bekamen wir einen fischigen Kuss von unserem Lieblings- Delphin- Das Bild davon wird wohl immer über meinem Schreibtisch hängen, so viele gute Erinnerungen habe ich an das Delphinschwimmen. Auf dem Weg zurück zum Hotel konnten wir den ein oder anderen Blick auf die Luxusvillen direkt am Meer erhaschen- Hier würde doch jeder gerne ein Ferienhäuschen haben, auch wenn das Grand Bahama Island „genauso wie Mallorca“ sei (Das hatte ich bei einem Gespräch eines deutschen Ehepaars im Hotel gehört.). Doch meiner Meinung nach gibt es einige Unterschiede: Auf den Bahamas ist der Kontrast zwischen reich und arm viel größer. Auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel fuhren wir durch das Inselinnere und sahen die flachen Bungalows der Einheimischen, dann die Hotelriesen am Meer. Am Strand fanden sich viele Einheimische, die sich ihr Geld durch Zöpfe flechten verdienten. Ich hatte nicht das Gefühl, auf einer Insel gelandet zu sein, auf der die Urlauber „regieren“. Vielmehr beteiligte man sich an den Festen der Einheimischen auf dem Marktplatz und schätzte deren Anwesenheit. Natürlich ist der Tourismus die Haupt- Einnahmequelle der Insel, aber sie hat dadurch nicht an Charakter verloren. Auch die traumhaften Strände lassen sich nicht mit den mallorquinischen vergleichen. Der Urlaub also ein voller Erfolg- nicht nur in punkto Erholung und Spaß, sondern auch was die Beziehung zwischen meiner Gastmutter und mir betraf: Durch die gemeinsame Reise wurden wir immer mehr zu Freundinnen, nicht zu Gastmutter und Gasttochter. Für mich war das die perfekte Lösung, weil ich nicht hin- und hergerissen zwischen Gastmutter und richtiger Mama zu sein brauchte, wie so manch andere Austauschüler/in. Die Beziehungen waren klar: Karen (meine Gastmutter) ist meine Freundin, meine Mutter meine (einzige) Mama. 

 
Happy Easter!- Darf man das hier überhaupt sagen?


Wäre nicht eher ein „Happy Holidays“ angebrachter? Über diese Frage muss man sich in den USA wirklich den Kopf zerbrechen. Denn jemanden fälschlicherweise für einen Christen zu halten, wäre ein fataler Fehler. Ich weiß nicht, welche anderen Religionen im April noch ein großes Fest haben, aber die Osterferien hießen trotzdem nur „spring break“ (Frühlingsferien), um ja niemanden zu beleidigen. In meiner Gastfamilie hieß es trotzdem „Happy Easter“ und Ostern wurde auch ähnlich wie in Deutschland gefeiert. Morgens gingen meine Gastfamilie und ich in die Kirche, danach fuhren wir zu meiner Gasttante Laura nach Virginia, wo die gesamte Familie mütterlicherseits versammelt war. Dieses Jahr hatte ich die Ehre, auch Ostereier verstecken zu dürfen die später von meinen kleinen Cousins und Cousinchen eifrig ins Körbchen gelegt wurden. Natürlich durfte ein Festessen nicht fehlen: Speckbohnen, „mashed potatoes“ (Kartoffelbrei), „pork“ (Schweinefleisch) und noch vieles mehr. Zum Nachtisch gab es natürlich Omas „apple pie“ (gedeckter Apfelkuchen). Mit (wie an allen Festtagen) vollen Bäuchen fuhren wir nach Hause, wo jeder todmüde ins Bett fiel.

Hört sich doch wie Ostern in Deutschland an, richtig? Richtig, mit dem einzigen kleinen Unterschied, dass amerikanische Ostereier etwas anders aussehen als deutsche: Der Osterhase scheint besonders gerne neonfarbene Plastikeier zu verteilen, die mit noch neonfarbeneren Chemieeiern gefüllt sind, die man später ernsthaft essen soll.... Sonst ist alles gleich, und ernsthaft mal: Wen kümmert schon Farbe und Geschmack der Ostereier, wenn es sonst ein schöner Familientag war?

 
 

Prom oder der Tag, an dem alle Schönheitssalons überfüllt waren

 

Nun ist es an der Zeit, Sie in die Probleme der amerikanischen High School Mädels einzuweihen: Welche Farbe sollten meine Nägel haben? Oder sollte ich vielleicht doch lieber „french manicure“ machen lassen? Ist es besser, die Haare zu glätten oder doch vielleicht lieber lockig zu tragen? Oder ist es sogar denkbar, erst gar nicht zum Frisör zu gehen?

Die Antwort auf all diese schlafraubenden Fragen ist: Fragt eure Mamis, sie werden euch tatkräftig zur Seite stehen. Jedenfalls alle amerikanischen Mamis. Meine Gastmutter stürzte sich begeistert in die Arbeit und war sehr geschockt, als ich eine Woche vor Prom, dem großen Abschlussball der Stufen 11 und 12, immer noch kein Kleid gekauft hatte. Noch am selben Tag fuhren wir zu einer Mall (riesiges Einkaufscenter), wo ich prompt ein passendes Kleid fand: Farblich passend besonders zu den eben erwähnten Ostereiern: pink, orange, rosa, lila- Wer glaubt, das Kleid war hässlich oder unangebracht, der irrt sich: Gerade perfekt, um unter anderen neongrünen oder hellgelben Kleidern nicht sonderlich aufzufallen. Der Tag vor dem großen Tag war auch ein großer Tag: Ein großer Verkaufstag sämtlicher Haarsalons und Nagelstudios. Egal wo man hinkam, es war überfüllt von kichernden High School Teens, die sich hübsche Muster auf ihre Nägel malen ließen, natürlich farblich passend zum Kleid.

Wer sich einen genaueren Eindruck verschaffen will, möge sich doch bitte auf dieser Website umschauen: www.promdress.net DIE Website! Natürlich gab es auch Prom- Magazines, die man beim Zeitschriftenhändler erwerben konnte. Wie Sie sehen, prom ist ein wichtiges event in den USA.

Aber nun zurück zu den amerikanischen Mamis: Die Mamis waren, glaube ich, aufgeregter als ihre Töchter, als deren „dates“ sie am Abend in einer Limousine abholten. In Gruppen fuhr man zum Restaurant und anschließend zu dem Hotel, in dem der Ball stattfand. Auch ich hatte ein date, wurde aber nicht in einer Limousine abgeholt, wir wollten speziell sein und nahmen die U- Bahn, zusammen mit einer Gruppe von 3 anderen Mädels und deren dates. Nach dem Ball, auf dem sogar getanzt wurde, ging es zu Afterprom. Um Jugendliche vom illegalen Alkohol abzuhalten, organisiert die High School eine Party nach dem Ball. Party- da hatte ich eine bestimmte Vorstellung: Einfach weitertanzen. Falsch! Es gab Kicker, Billard, Roulette, Kartenspiele, Essen, Trinken, nur keine Tanzfläche. Ich musste mich damit abfinden und genoss den Abend trotzdem. Zur Krönung gewann ich bei einer Verlosung einen Fernseher und einen DVD- Player. Soo erschöpft fiel ich um 6 Uhr ins Bett, wurde dann 10 Stunden später wach und durfte dann (natürlich!) meiner Gastmutter berichten.

 
 

Wie lange habe ich noch?- Der Abschied

 

Ich kann mich an eine Zeit in den USA erinnern, in der ich die Tage bis zum Rückflug nach Deutschland kaum erwarten konnte. Ab Ende Februar verging die Zeit aber viel zu schnell und ich stellte mit Schrecken jeden Morgen fest, wie wenig Zeit mir mit meiner Gastfamilie und meinen Freunden noch blieb.

Der letzte Schultag war am 12. Juni, nachdem alle „exams“ geschrieben waren. Am 14. Juni hatte ich das letzte Konzert zusammen mit meiner Band. Wir spielten anlässlich der „graduation“ (Abschluss) der Schüler/innen der Stufe 12 in der Constitution Hall in Washington DC vor etwa 3500 Gästen. Unser Repertoire umfasste Stücke wie das traditionelle „pomps and circumstances“, aber auch moderne Stücke wie die Filmmusik von „Pirates of the Caribbean“ (Fluch der Karibik), Jerry Cotton Märsche und die Titelmusik von den „Unglaublichen“. Nach dem Auftritt hieß es Abschied nehmen von meinem Musiklehrer und der gesamten Band und letzte Einladungen zu meiner Abschiedsparty wurden verteilt. Die folgende Woche verbrachte ich damit, mein Zimmer auszumisten, Bekannte zu verabschieden und mit meinem Gastvater einige letzte Ausflüge nach Washington DC zu unternehmen. Die Anspannung wurde immer größer- nicht nur bei mir: Meine Gastschwester wollte 24 Stunden bei mir sein und schlief deswegen auch in meinem Zimmer. Mein Gastbruder wollte unentwegt mit mir playstation spielen, meine Gastmutter und ich gingen noch einmal ausgiebig einkaufen und mein Gastvater kochte jeden Abend besonders aufwendig. Dazu kamen noch meine Freunde, die mich am liebsten auch Tag und Nacht sehen wollten. Kurzum: Ich war überfordert. Zum Glück hatte dieses Chaos mit meiner Abschiedsparty ein Ende. Meine Gasteltern hatten diese Barbecue- Party für mich organisiert und Freunde, Lehrer und Familie eingeladen. Es gab deutsches Bier, aber auch klassisch amerikanische Burger. Als alle Gäste nach Hause gefahren waren und ich erschöpft im Wohnzimmer saß und meine Abschiedsgeschenke betrachtete, konnte ich mich zum ersten Mal in dieser Woche entspannen: Entspannen, weil ich endlich den unangenehmen Abschied von der Mehrheit meiner Freunde und Familie hinter mir hatte. Zum ersten Mal konnte ich mich auch ein bisschen auf zu Hause freuen.

 
 

Außerdem standen mir ja noch 3 schöne Tage mit allen PPPlern in Washington DC bevor, auf die ich mich schon lange gefreut hatte. Am Morgen des 21. musste ich mich noch ans Kofferpacken begeben, was ich bis dahin erfolgreich verdrängt hatte. Mit Hilfe meines Gastvaters wurde ich doch noch rechtzeitig fertig, sodass wir uns pünktlich auf den Weg nach Washington DC machen konnten. Meine Gastmutter hatte ich schon am Tage vorher verabschiedet, da sie unbedingt auf eine Geschäftsreise musste. Wie war der Abschied? Die Frage sollte ich noch oft gestellt bekommen, aber ich will Sie jetzt nicht mit irgendwelchen kitschigen Zeilen behelligen, die genauso gut aus einem Drei- Groschen- Heftchen stammen könnten. Wie Sie sich denken können: Es war NICHT schön! Genauso wenig wie der Abschied von Rachel, Justin und Dave. Zum Glück wurde ich im Hotel direkt von meinen PPP- Freunden begrüßt und wurde so von meinem Abschiedsschmerz abgelenkt. Die drei Tage in Washington DC dienten zur Vorbereitung auf das Wiedersehen mit der richtigen Familie in Deutschland. Es sollten die Tage genutzt werden, in denen wir weder in der Gastfamilie noch zu Hause waren, sondern uns in einer Art Vakuum befanden, um uns auf bevorstehende Problemsituationen vorzubereiten. Das Wiedersehen mit meinen Austauschfreunden war groß, auch wenn wir während des Jahres untereinander in Kontakt waren. Es gab viel zu erzählen und Fotos wurden gezeigt. Nach der Zimmerverteilung gab es abends noch ein Treffen, bei dem der Ablauf der nächsten zwei Tage erklärt wurde.

Am nächsten Tag mussten/ durften wir uns chic machen: ciee (die amerikanische Partnerorganisation) hatte für uns Treffen mit dem/der Senator/in und mit dem/der Kongressabgeordneten unserer Gaststaaten organisiert. Ich traf eine Assistentin von Barbara Mikulski (Democrat), Senatorin von Maryland und den Congressman Albert R. Wynn (Democrat) und dessen Assistenten Benjamin A. Branch. Die Politiker, mit denen wir uns trafen, kannten das Austauschprogramm und zeigten sich sehr interessiert an unseren Erfahrungen. Das hatten wir von Menschen, die sich im Vergleich mit viel wichtigeren Themen, wie z.B. dem Irak- Krieg auseinandersetzen müssen, nicht erwartet.

 

Auf den Websiten von Albert R. Wynn und Barbara Mikulski finden sich Stellungnahmen zu internationalen und nationalen Problemen. Ein Besuch ist empfehlenswert, obwohl man nicht vergessen darf, dass die Seiten Wähler werben sollen und die Stellungnahmen nicht unbedingt die Meinung aller Amerikaner vertreten.

http://mikulski.senate.gov/
www.wynn.house.gov
 

Zusätzlich hatten wir einen Termin im US State Department, wo wir Urkunden anlässlich des erfolgreichen Austauschjahres überreicht bekamen und eine weitere Diskussionsrunde hatten, in der es nicht nur um unser Austauschjahr, sonder auch um unsere Meinung zu transatlantischen Beziehungen ging. Ein amerikanischer Botschaftsangehöriger aus Berlin war auch anwesend und beeindruckte uns mit seinem Sprachrepertoire: 13 Sprachen fließend!

Der Tag war interessant- keine Frage, aber auch sehr anstrengend. Wir alle waren ja schon bekannt mit DC im Sommer: 35 Grad Celsius im Schatten und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Dementsprechend geschafft waren wir, als wir uns alle am Bus wiedertrafen. Doch Schlafen stand jetzt nicht auf unserem Tagesplan, sondern eine „Dinner Boat Cruise“ auf dem Potomac. Auf dem Schiff gab es ein großes Büfett, die Möglichkeit zu tanzen und einen traumhaften Sonnenuntergang über Washington DC. Über den Tag hatten wir erfolgreich verdrängt, dass am nächsten Tag schon der Flieger nach Frankfurt ging.

Nach einer schlaflosen Nacht ging es am nächsten Morgen in Gruppen zum Flughafen, wo mich meine engsten Freunde aus Olney empfingen und mich bis zur Sicherheitskontrolle begleiteten. Dort hieß es dann endgültig Abschied nehmen.....

In Frankfurt trennten sich die Wege der meisten PPPler. Zusammen mit zwei anderen Austauschschülern machte ich mich auf den Weg zum gate meines Anschlussfliegers nach Köln/Bonn. Noch heute frage ich mich, wie andere Austauschschüler/innen auf dem Rückflug schlafen konnten. Ich war viel zu aufgeregt und nervös, um zu schlafen. Meine Stimmung war nahe dem Nullpunkt. Ich hatte Angst vor der überschwänglichen Begrüßung am Flughafen in Bonn, weil ich meine Freude, wieder zu Hause zu sein, vor lauter Abschiedsschmerz gar nicht zeigen konnte. Zudem machte mir die große Müdigkeit zu schaffen, schließlich war es nach meiner biologischen Uhr gerade mal 3 Uhr als ich in der Ankunftshalle in Köln meine Familie begrüßte. Im Auto wollte ich gar nicht reden, meine einziger Gedanke war: Schlafen! Das tat ich dann auch und zwar bis 14 Uhr des darauffolgenden Tages. Über Nacht hatte sich meine Stimmung auch etwas gebessert, so dass ich am nächsten Tag meinen Eltern stolz Mitbringsel überreichte, und Sachen zeigte, die sie noch nicht gesehen hatten, wie z.B. das Jahrbuch unserer High School.

 

NBS- Oktober 2006


Mein erster Bericht war über das Vorbereitungsseminar- kurz VBS- Erinnern Sie sich noch? Für alle PPP- Stipendiaten/Stipendiatinnen war auch das NBS (Nachbereitungsseminar) obligatorisch: Während des VBS wurden wir auf den Kulturschock vorbereitet, auf dem NBS auf den reverse ( umgekehrter) Kulturschock. Das dreitägige Seminar fand in einer Jugendherberge in Kassel statt, wo wir unsere „alten“ Teamer wiedertrafen und uns mit ihnen über unsere Erfahrungen austauschten und unser Jahr revue passieren ließen. Ein weiteres Ziel war, unser Jahr so zu akzeptieren, wie es war, ohne zu denken: „Hätte ich doch nur....“ Damit hatte ich keine Probleme, da ich an meinem Austauschjahr gar nichts auszusetzen habe. Ich musste mich mehr damit beschäftigten, zu akzeptieren, dass das Jahr vorbei ist und ich mich wieder auf ein Leben in Deutschland einlassen muss. Dieser Prozess des Wiedereinlebens ist bei mir immer noch nicht zu 100% abgeschlossen. Eine Freundin von mir, die auch in den USA war, sagte mir: „Vielleicht müssen wir uns auch gar nicht zu 100% wiedereinleben, ein Stück Fern- und Heimweh bleibt. Das müssen wir akzeptieren.“ Recht hat sie: Fernweh bleibt und ist stärker als je zuvor. Ich kann gar nicht abwarten, meine nächste Reise zu planen, um neue Leute und neue Kulturen kennen zu lernen. Ich kann mir nicht vorstellen, länger als ein Jahr an ein und demselben Ort zu bleiben.

Nun ist das Jahr also vorbei, was Seminare und andere Veranstaltungen betrifft. Für mich wird das Jahr nie „vorbei“ sein, ich werde mich ein Leben lang an die gesammelten Erfahrungen zurückerinnern und freue mich darauf, in Zukunft auch in anderen Ländern Neues zu erleben.

 

Vielen Dank an all diejenigen, die meinen Wunsch, ein Jahr in den USA zu leben, ernst genommen und mir den Rücken gestärkt haben. Ganz besonders möchte ich mich deswegen bei Herrn Kelber bedanken, ohne ihn wäre ein so lehr- und erlebnisreiches Jahr nicht möglich gewesen! 


Theresa Gaßmann



Abschlussbericht

Es ist nun schon fast vier Monate her, seitdem ich aus den USA wiedergekommen bin. Trotzdem kann ich mich haargenau an viele Sachen erinnern: Das können Ereignisse wie die schulischen Footballspiele, das Thanksgiving Dinner sein oder aber auch negative Erfahrungen die ich gemacht habe. Meine Erinnerungen heute sind aber durchweg positiv: Es gibt kein einziges Erlebnis, das ich aus meinem Gedächtnis streichen möchte. Das liegt vielleicht daran, dass man sich während dieses Auslandsaufenthaltes innerlich und natürlich auch äußerlich (das ein oder andere Kilo mehr) verändert und viel entspannter den Herausforderungen des Lebens entgegensieht.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich gemacht habe, betrifft das Verständnis gegenüber Minderheiten. Ich selber empfand es als sehr schwer, Kritik an Deutschland und Deutschen anzunehmen. Ein „Germans are all alcoholics!" („Deutsche sind alle Alkoholiker!") konnte ich nur schwer „verknusen". So stellte ich mit der Zeit fest, dass man von Personen, die sich in der Minderheit befinden, nie Selbstkritik erwarten kann. Sobald man in der Mehrheit ist, fällt es direkt einfacher, Kritik zu üben. Hier in Deutschland ist es für mich selbstverständlich, auch mal negativ über deutsche Gewohnheiten zu sprechen. Diese Erkenntnis prägt mich im Verhalten gegenüber Minderheiten; ich habe mehr Verständnis. Verständnis ist das Wichtigste, was man einem anderen Menschen entgegenbringen kann. Was will ich denn noch von jemandem, den ich sowieso nicht verstehe/ verstehen will? Würden wir uns nicht mehr füreinander interessieren, sähe unsere Welt aber schlecht aus. Dann können wir uns direkt in Einzelzimmern von der restlichen Welt abschotten.

Nicht alle Veränderungen haben eine solch enorme Auswirkung auf Mitmenschen. Ich selber aber spüre diese Veränderungen: In allen Situationen, z.B. in Schule und Familie, kann ich viel entspannter Herausforderungen annehmen. Ein Streit mit der besten Freundin regt mich nicht mehr so sehr auf wie früher. Eine unerwartet schlechtere Note ist nicht mehr ein Weltuntergang für mich. Ich kann endlich Kritik annehmen. Probleme sehe ich als Herausforderungen an, atme tief durch und packe sie an. So etwas lernt man besonders gut, wenn man sich dauernd Herausforderungen stellen muss. Übung macht den Meister. Also ist ein Jahr in einer fremden Kultur doch geradezu perfekt um an seiner eigenen Persönlichkeit zu arbeiten. In Olney hatte ich keine Mama, die meine Aufsätze Korrektur las. In Olney hatte ich (am Anfang) keine Freundin, die mitten in der Nacht am Telefon in „schweren Lebenskrisen" weiterhalf. Deswegen konnte ich ja noch lange nicht die Brocken hinschmeißen. Dadurch bin ich viel unabhängiger von anderen Menschen und Meinungen geworden. Diese Einstellung habe ich heute immer noch und glaube, dass sie mir noch viel in meinem Leben ermöglichen wird.

Natürlich wird man während des Jahres reifer. Wie jeder in Deutschland zurückgebliebene Teenager auch. Im Vergleich zu manchen anderen Mädchen in meinem Alter wurde der „Reifeprozess" bei mir durch das Auslandsjahr beschleunigt. Manche finden es vielleicht komisch, dass ich als 16 Jährige nicht mehr kreischend durch die Stadt renne. Ob mich mein reiferes Verhalten zu einer besseren Persönlichkeit macht ist die Frage. Trotzdem ist es eine Veränderung, die ich während des Austauschjahres gemacht habe. Ich genieße es, „erwachsener" zu sein.

 

Eine große Auswirkung hat das Jahr auch auf meine Lernfähigkeit: In den USA musste ich schnell neue Lernmethoden anwenden und neuen Stoff lernen und dabei trotzdem gute Noten schreiben. Für die Amerikaner war es normal, innerhalb eines Tages 30 Seiten zu „lesen" und am nächsten Tag ein sogenanntes „Quiz" (= Test) über den Inhalt zu schreiben. Da man aber 7 Fächer hatte, kam es schon mal vor, dass man an einem Tag 100 Seiten in einem Schulbuch lesen musste. Als ich endlich merkte, dass ich die Einzige war, die sich wirklich mit 100 Seiten quälte, wurde ich schnell „Fan" von der amerikanischen Arbeitsweise: Effizient und ergebnisorientiert. Da wurden dann eben ein paar Seiten nur überflogen. Es soll sich nicht so anhören, als ob ich in den USA „pfuschen" gelernt hätte. Ich habe gelernt, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das glaube ich, ist sehr wichtig. Wie schön es doch wäre, wenn sich alle Menschen in beruflichen Dingen nur auf das wesentlich Wichtige beschränken könnten.

Während meiner Zeit in Olney wurde ich mir meiner eigenen Werte und Ziele bewusst: Welches Verhalten halte ich für richtig? Was ist mein eigentliches Lebensziel? Geld oder Zufriedenheit? Durch die vielen verschiedenen, extremen Glaubensgruppen in Amerika bekommt ein/e Austauschschüler/in eine ganze Bandbreite von Idealen präsentiert und kann daraus wählen. Einmal traf ich eine Frau, die mich überzeugen wollte, mit 18 zu heiraten und möglichst viele Kinder zu bekommen, so wie Gott es für die Menschen vorgesehen hat. Ich musste mich ja nicht gleich mit all diesen Lebensweisen identifizieren, aber durch die Vielfalt wurde mein Horizont erweitert. Ich kann jetzt außergewöhnliche Lebensweisen akzeptieren und ich versuche, diese Leute besser zu verstehen und in allem das Positive zu sehen. Ich bin jetzt Optimistin!

Wenn wir das Wort Amerika hören, assoziieren wir damit gleich ein patriotistisches Land. Durch meine Erfahrungen kann ich das weitgehend bestätigen, obwohl es natürlich immer Ausnahmen gibt. Ich hätte vorher nicht erwartet, das ich selber sehr nationalstolz bin. Diese Eigenschaft habe ich erst in den USA an mir entdeckt. Das neu entdeckte Gefühl wurde gleich am Tag des Eröffnungsspiels der Fifa WM ausgedrückt: Die andere deutsche Austauschschülerin an meiner High School und ich zogen unsere Deutschland Trikots an, malten uns Deutschland Flaggen auf die Backen, trugen goldene Schühchen und passende Fußballsocken und machten so jeden auf den World Cup aufmerksam. Unser Verhalten wurde von den Amerikanern als völlig normal eingestuft. Das war der Tag an dem ich begriff, das wir viel zu vorsichtig mit dem deutschen Nationalstolz sind. Kein anderes Land hält es für falsch, wenn Deutsche Nationalstolz zeigen. Niemand, außer wir selber. Nationalstolz hat in den USA keinerlei negative Konnotation. Wie meine Freundin zu mir am Telefon so schön sagte: „I am American and I am happy to be American. The entire world should know how happy I am." ("Ich bin Amerikanerin und ich bin glücklich, Amerikanerin zu sein. Die ganze Welt soll wissen, wie glücklich ich bin.) Es war Independence Day und ich hatte sie gefragt, warum sie mit rot, blau und weißen Lichterketten durch die Stadt rannte....

Vielleicht bin ich mir noch nicht all meiner Veränderungen bewusst, ich denke das ist ein Prozess, der sehr lange dauert. Mit 85 Jahren kann ich vielleicht noch eine neue Veränderung feststellen, die ich in den USA gemacht habe. Der Punkt ist: Diese Austauschjahr in den USA hat mich für mein Leben lang geprägt. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie das Leben ohne diese Erfahrung wäre. Würde ich Menschen schnell verurteilen? Würde ich auf Deutschland schimpfen? Würde ich überhaupt einmal glücklich werden können? Durch das Jahr fühle ich mich gewappnet und vorbereitet auf das Leben nach dem Abitur und möchte in der Welt mitmischen.

 

 


 
 

Für Pänz

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