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Artikel in der Bonner Umweltzeitung vom Juli 2002

Bonner Umweltzeitung

Sozial, ökologisch, wirtschaftlich stark: Klimaschutz ist machbar
Von Ulrich Kelber, MdB

Der Abschlussbericht der Bundestags-Enquete-Kommission "Nachhaltige Energieversorgung" zeigt, dass ein konsequenter Klimaschutz durch eine Umstellung auf eine Solarwirtschaft ökologisch notwendig und sogar volkswirtschaftlich sinnvoll ist. Deutschland kann so seine im Kyoto-Protokoll gemachten Zusagen bei der Reduktion von Treibhausgasen einhalten und ehrgeizigere Ziele für 2020 und 2050 anstreben.

 

Der Bericht der Enquete-Kommission hat vierzehn Zukunftsszenarien durchgerechnet. Das ermutigende Ergebnis: Eine Reduktion der Treibhausgase um 80% bis 2050 und eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien in Deutschland ist machbar. Die Förderung der erneuerbaren Energien ist laut Bericht auch wirtschaftlich sinnvoll für den High-Tech-Standort Deutschland.

CDU/CSU/FDP: 70 neue AKW

Auf Wunsch von CDU/CSU/FDP wurde auch ein Szenario durchgerechnet, die Reduktion von Treibhausgasen durch den Ausbau der Atomenergie zu erreichen. Dazu müssten 70 neue AKW in Deutschland entstehen, so die Experten. Gesellschaftlich ist das nicht zu machen. Aber auch aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen warnt der Abschlussbericht vor diesem Weg. Bezieht man alle Kosten ein, wäre ein Ausbau der Atomenergie der mit Abstand volkswirtschaftlich teuerste Weg zum Klimaschutz.

Die Experten raten stattdessen zu einem Weg in eine effiziente Solarwirtschaft. Dabei kommt Deutschland zugute, dass die in den den 50er und 60er Jahren entstandene Infrastruktur aus Häusern und Kraftwerken in den nächsten Jahren erneuert werden muss. Da liegt viel Potenzial für Effizienzsteigerungen und neue Arbeitsplätze.

Sonne und Wind schaffen Jobs

Im Fußball ist Deutschland fast Weltmeister geworden. Bei der Windenenergie sind wir es bereits, bei der Solarenergie stehen wir bereits im Finale. Schon heute sind hier mehr Menschen beschäftigt als in der Atomindustrie. Und die Zukunftsaussichten für die erneuerbaren Energien sind rosarot. Vor allem, wenn Deutschland den gewonnenen Technologievorsprung im Export konsequent nutzt.

Wir können die Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien in Deutschland bis 2020 vervielfachen. Das hat die Entwicklung seit 1998 gezeigt. Die Energieproduktivität kann um 3% jährlich gesteigert werden, dann sinkt der spezifische Energieverbrauch bis 2020 um die Hälfte und bis 2050 um den berühmten „Faktor Vier“.

Altbau und Auto als Potenzial

Mit der Energieeinsparverordnung ist der erlaubte Energieverbrauch für Gebäude deutlich abgesenkt worden. Außerdem fördert die Bundesregierung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau ein zinsvergünstigtes Kreditprogramm für die Altbausanierung. Mittelfristig sollten die Wärmeschutzanforderungen für sanierte Altbauten noch weiter verschärft werden.

Der Durchschnitt aller neu zugelassenen Autos darf 2020 nicht mehr als 3,5 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Das das zu schaffen ist, zeigen Prototypen und Kleinserien der Hersteller.

Solare Zukunft statt atomare Steinzeit

Jetzt muss es auch dem letzten Zweifler klar sein: Die Atomenergie hat keine Zukunft. Nicht nur das Betriebs- und Lagerunsgsrisiko sind nicht vertretbar, sondern die Atomenergie ist einfach auch zu teuer und schafft zu wenig Arbeitsplätze.

Deutschlands Zukunft, auch die nahe Zukunft, liegt in den erneuerbaren Energien. Die ersten Weichenstellungen sind richtig erfolgt, der Bericht der Enquete-Kommission gibt klare Empfehlungen für den weiteren Weg. (uk)

 
 
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