Bundesminister Kurt Bodewig hat die Fachwelt überrascht. Der Bund will nicht nur das Schienennetz wieder mit wesentlich mehr Geld unterhalten, modernisieren und ausweiten, sondern will auch Wettbewerb auf der Schiene ermöglichen, in dem das Schienennetz und der Bahnbetrieb voneinander getrennt werden. Das eröffnet die Chance auf zahlreiche neue und kundenfreundlichere Angebote, vor allem aber auf wirklich mehr Fahrgäste und Güter im Bahnverkehr.
Nach Expertenmeinung braucht das Schienennetz 9,4 Milliarden Mark Investitionen pro Jahr, um im Schuss zu bleiben und bedarfsgerecht ausgebaut zu werden. Unter der Regierung Kohl waren es zuletzt keine sechs Milliarden Mark mehr. Folge sind die vielen Langsamfahrstellen, die massive Verspätungen verursachen. Unter der alten Regierung wurde nur noch auf Substanz gefahren. Eine Chance, den rapide wachsenden Güterverkehr statt mit Lkw per Bahn durchführen zu lassen, gab es so nicht. Die SPD-geführte Bundesregierung hat die Ausgaben für das Schienennetz angehoben, seit diesem Jahr sind die 9,4 Milliarden Mark wieder erreicht.
Nicht nur die Umweltbelastung spricht gegen die jährlich wachsende Zahl von Lkw auf unseren Straßen. Die Lkw behindern auch den Autoverkehr und zerstören das Straßennetz. Ein einziger Lkw nutzt eine Straße so ab wie 60.000 Autos. Deswegen ist es gut, dass Kurt Bodewig angekündigt hat, dass ab 2003 die Lkw eine Maut bezahlen müssen, aus deren Aufkommen wichtige Investitionen in Schiene und Straße bezahlt werden.
Wenn in Zukunft der Wettbewerb auf der Schiene möglich ist, werden wir viele neue und überraschende Angebote kennenlernen. Gerade im Rheinland profitieren wir dann von unserer hohen Bevölkerungszahl, dem dichten Schienennetz und vielen zu reaktivierenden Strecken. Billigere Verbindungen über Nebenstrecken, Pendlerzüge mit Sitzplatzgarantie durch Doppelstockwagen oder Ausflugszüge mit zu Kinderspielplätzen umgebauten Waggons sind nur erste Beispiele solcher möglicher neuer Angebote.