Newsletter 08/2001
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Aktuelle Themen aus der Bundespolitik
Uli Kelber, MdB

Bonner Klimagipfel - Abschluss auch ohne USA notwendig.

US-Präsident Bush hat es allen klar gemacht: Die USA verweigern sich nicht nur ihrer internationalen Verantwortung für den Klimaschutz, sondern bezweifeln sogar den Treibhauseffekt überhaupt und machen sich so zum Gespött weltweit. Mit 6% der Weltbevölkerung ist die USA für 25% der jährlichen Emission von Treibhausgasen verantwortlich. Und auch das "Argument" der USA gegen die Klimavereinbarungen, die schnell an Bevölkerung zunehmenden Entwicklungsländern würden keine Verpflichtungen übernehmen, hält keinerlei Überprüfung stand: Seit 1990 hat der Ausstoß an Treibhausgasen in den USA stärker zugenommen als in China, Indien und Afrika zusammen.

Dabei sind die neuesten Ergebnisse der Klimaforschung dramatisch: Um 6 Grad soll die Durchschnittstemperatur bis 2100 zunehmen, das entspricht der Erwärmung der Erde seit der letzten Eiszeit, wo noch Gletscher des Nordpols bis nach Deutschland ragten. Um mindestens einen Meter steigt der Meeresspiegel dann an. Bricht der westantarktisches Eisschild, was manche Wissenschaftler für möglich halten, dann kommen weitere 5-7 Meter Anstieg dazu. Bye bye Hamburg, Amsterdam, New York, Venedig, Bangkok und der Lebensraum von 100 Millionen Menschen allein in Ägypten und Bangladesh. Auch der Golfstrom könnte durch den Süßwasserzufluss aus den geschmolzenen Gletschern in den Nordatlantik zusammenbrechen. Skandinavien hätte dann ohne Golfstrom ein Klima wie Nord-Kanada, Deutschland eins wie Neufundland.

Gut, dass die Eruopäische Union ihre Reduktionsziele für die Treibhausgase auch nach dem Ausstieg der USA weiter beibehalten will. Der Bonner Klimagipfel muss mit einem Vertrag enden, den möglichst viele Staaten unterschreiben. Das dann gestartete Programm wird aus meiner Sicht so attraktiv werden, dass auch die USA auf Dauer dazustossen werden, um sich nicht vom Aufbruch ins solare Zeitalter, mit neuen Technologien, Produkten, Rohstoffen und Dienstleistungen, abzukoppeln. Die Steinzeit ist auch nicht zu Ende gegangen, weil die Steine knapp wurden, sonder weil neue Technologien neuen Wohlstand ermöglichten. Eine Welt nach den fossilen Energieträgern kann ebenfalls eine Welt neuen Wohlstands werden. Und diesmal sind wir Europäer die Träger der Innovation, die USA verpasst den richtigen Zeitpunkt.

 
 

© 2001, Ulrich Kelber, SPD-MdB aus Bonn
http://www.kelber.de