"Essential Harvest" steht nicht für einen Wechsel von der politischen zur militärischen Logik (einen Wechsel, wie wir ihn im März 1999 im Kosovo erlebt haben). "Essential Harvest" ist integraler Bestandteil des Friedensabkommens und des Friedensprozesses. Mit jeder Waffe der UCK, die abgegeben und zerstört wird, steigt die Chance dafür, den Ausbruch eines offenen Bürgerkrieges in Mazedonien zu verhindern.
Es fällt schwer, Gründe für eine Ablehnung dieser kontrollierten Entwaffnung als Akt der Prävention, der von beiden Konfliktparteien gewollt wird, zu finden. Natürlich kommen Zweifel auf, ob alle UCK-Waffen zu den Sammelpunkten gelangen werden. Und es stimmt leider, dass eine Wiederbewaffnung in dieser Region kaum kontrollierbarer Grenzen technisch kein großes Problem wäre. Aber politisch wäre es für die UCK und die Anliegen der Albaner ein Desaster, wenn die Waffenabgabe unglaubwürdig ausfallen würde. Die große, von der Mehrzahl der albanischen Mazedonier herbeigesehnte Chance einer weitgehenden kulturellen und politischen Gleichberechtigung im eigenen Land würde vertan - in der Verantwortung der UCK-Einheiten, wenn sie jetzt bei der vereinbarten Waffenabgabe betrügen.
Es gibt keinen "Alleingang der NATO": Bei den Friedensbemühungen in Mazedonien haben die Unterhändler von EU, Washington und NATO von Anfang an im vollen Einvernehmen mit UN und OSZE gehandelt. Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Rahmenabkommens vom 13. August hat der UN-Sicherheitsrat eine Erklärung abgegeben, die den gesamten Friedensprozess in Mazedonien würdigt und ohne Einschränkung unterstützt. In dieser Erklärung heißt es wörtlich: "Der Sicherheitsrat begrüßt die Anstrengungen, die die Europäische Union, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und die Nordatlantikvertrags-Organisation in Unterstützung der Rahmenvereinbarung unternehmen". Im Klartext heißt dies: Die Vereinten Nationen sehen "Essential Harvest" als Teil der Umsetzung des Friedensabkommens und unterstützen diese NATO-Mission ausdrücklich.