Statt Newsletter 02/002: Newsletter 01a/2002
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Aktuelle Themen aus der Bundespolitik
Uli Kelber, MdB

Betrifft: "Abstimmung zum Import embryonaler Stammzellen".

Das wichtigste Thema dieser Sitzungswoche ist sicher die Abstimmung zum Import embryonaler Stammzellen. Obwohl ich wegen einer akuten Stirnhöhlenentzündung Bettruhe verordnet bekommen habe und daher leider nicht an der Abstimmung teilnehmen kann, möchte ich meine Position in – sicherlich in inhaltlich stark gekürzter Form – gerne darstellen:

Ich hätte aus ethischer Überzeugung gegen den Import embryonaler Stammzellen gestimmt. Weil ich befürchte, dass wir mit der Erlaubnis des Imports auch eine Tolerierung der Herstellung der Stammzellen und damit der Tötung eines Embryos für wissenschaftliche Zwecke zum Ausdruck brächten.

Außerdem wäre es kaum möglich, die Grenze auf die bereits entstandenen Stammzellenlinie zu halten. Würde erst einmal die Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen gefördert, würde bald auch das Interesse an weiteren Stammzellenlinien wachsen und damit die Vernichtung weiterer Embryonen zur Folge haben. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat dies ja auch im Mai 2001 bereits zum Ausdruck gebracht.

Auch Pioniere der Stammzellenforschung wie John Gearhart erklären, dass embryonale Stammzellen genetisch sehr unterschiedlich ausfallen. In jeder Zelllinie sind unterschiedliche Gene an- oder abgeschaltet. Gearhart schätzt, dass Hunderte von Stammzellenlinien hergestellt werden müssen, um die gewünschte zu erhalten. Der Ansatz des Imports der gut siebzig bestehenden Linien wäre aus Sicht der Befürworter also nur ein erster Schritt. Schon diesen Damm sollte man also nicht brechen lassen.

Die meisten der bestehenden embryonalen Stammzellenlinien wurden auf tierischen Zellen kultiviert und daher technisch minderwertig. Erst seit kurzer Zeit wurden neue Stammzellenlinien ohne diesen „Makel“ hergestellt. Würden wir den Import der heute existierenden Stammzellenlinien erlauben, käme bald die Forderung nach „besserem Material“. Ein lebhafter Handel mit menschlichen Eizellen etc. würde beginnen, die Gewinnung wäre auch mit gesundheitlichen Risiken für die Spenderinnen verbunden.

Viele kranke Menschen hoffen auf die Heilsversprechen der Stammzellenforscher. Etliche dieser Versprechen sind aber unseriös, in den meisten Fällen scheint die ethisch unbedenkliche Arbeit mit adulten Stammzellen sogar Erfolgsversprechender. Ob embryonale Stammzellen jemals therapeutische Wirkung beim Menschen erzielen werden, ist völlig offen. Etliche desaströse Fehlschläge gibt es bereits, zum Beispiel beim Versuch, Parkinson-Patienten zu heilen. 5 von 20 mit Stammzellen behandelte Patienten aus den USA werfen seit der Behandlung unkontrolliert Kopf und Gliedmaßen herum.

Embryonale Stammzellen werden bei einem möglichen Einsatz in der Medizin mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben wie transplantierte Organe: Sie werden vom Körper des Patienten abgestoßen werden. Um das zu verhindern, muss dieser lebenslang entsprechende Medikamente nehmen, die ihn anfälliger für Infektionen und Risiken machen. Verbunden mit der Tumorgefahr durch embryonale Stammzellen eine große Gefahr.

In Deutschland sollten wir uns auf die Erforschung und die Anwendung adulter Stammzellen konzentrieren. Gerade in den letzten Monaten wurden hier Aufsehen erregende Erfolge erzielt. Der Körper akzeptiert die Zellen, da sie körpereigen sind und auch die Tumorgefahr ist nicht vorhanden. Und last, but not least: Es gibt kein ethisches Problem bei der Verwendung adulter Stammzellen.

 
 

© 2002, Ulrich Kelber, SPD-MdB aus Bonn
http://www.kelber.de