Am Ende des Sonderwegs


 Ulrich Kelber  Von Hans-Peter Bartels und Ulrich Kelber

Berlin, im Dezember 2001

Am Ende des Sonderwegs

Zur Rolle deutscher Streitkräfte in der gewandelten weltpolitischen Konstellation

Wie wir die Entwicklung der letzten Jahre sehen



Die Jahre zwischen dem 3. Oktober 1990 und dem 11. September 2001 können für Deutschland und auch für die deutsche Sozialdemokratie als eine außenpolitische Übergangszeit interpretiert werden, in der zu beinahe jeder neuen außenpolitischen Frage erst noch einmal die alten Antworten auf den Tisch kamen, bevor neue Antworten sich durchsetzen konnten. Die SPD ist in diesen wenigen Jahren einen weiten Weg gegangen.

Mit dem Ende der Blockkonfrontation, des Sowjetkommunismus, der europäischen und der deutschen Teilung, mit der gewaltfreien Wende in der DDR und der Wiederherstellung der Einheit Deutschlands 1990 war die Ordnung des Kalten Krieges als globaler Spannungsachse, nach der sich auch die inneren Spannungsachsen vieler Staaten der Welt ausrichteten, zerbrochen, die Nichteinmischungsdoktrin obsolet. Kurz: Die Nachkriegszeit war abgeschlossen, eine neue Ära begann.

Eine eigene, über den Epochenwechsel fortlaufende Tradition der bundesdeutschen Außenpolitik ist der Multilateralismus. Der historisch begründete deutsche Ansatz bestand immer auch darin, sich nicht zu isolieren, stattdessen zu kollektiven Lösungen beizutragen, nie neutral, aber auch nie (über die Blockgrenzlage hinaus) besonders exponiert zu sein.

In weiten Teilen der Welt genießt Deutschland ein halbes Jahrhundert nach Nazi-Diktatur und Weltkrieg ein erstaunlich hohes Ansehen, einen großen politischen Kredit: Vertrauen. Das liegt unter anderem daran, dass Deutschland nur in sehr begrenztem Maße und kurz Kolonialmacht war; uns blieb die schwierige Phase der Dekolonialisierung erspart. In der Zeit des Kalten Krieges ist Deutschland – anders als etwa die USA und die UdSSR – nicht militärisch in Erscheinung getreten.

Und Deutschland wird wegen seiner multilateralen Ausrichtung weniger als anderen unterstellt, eigene Wirtschafts- oder Hegemonialinteressen zu verfolgen. Daraus ergeben sich heute Gestaltungschancen.

Trotz EU, NATO, OSZE und UNO scheint es zur Zeit keinen linearen Internationalisierungsprozess zu geben. Einzelne Staaten und die internationalen Organisationen gewinnen an Bedeutung – zum Teil zunächst auf Kosten der zerfallenen UdSSR, gegenwärtig auch auf Kosten der USA.


Außenpolitische Grundsätze der SPD





Unmittelbare Folgen für den militärischen Aspekt deutscher Sicherheitspolitik



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