Rede vom 13.04.2002


Ulrich Kelber im Plenum

Bonn, 13. April 2002

Unterbezirksparteitag der Bonner SPD.


Begrüßung

Vor einem Jahr habe ich ein Ziel formuliert: Die SPD Bonn soll sich neu aufstellen. Nach den Wahlen 1999/2000 muss sie sich Inhalte deutlicher vertreten, nach dem Berlin-Umzug neue Aktive gewinnen, vor der Bundestagswahl 2002 aktionsfähig werden.

Heute können wir sagen: SPD Bonn steht sehr gut da. Das ist das Ergebnis vieler Jahre harter Arbeit im Team unter Leitung mehrerer Vorsitzenden. Natürlich gibt es noch Schwächen, an denen wir auch arbeiten.

Aber wir dürfen und müssen unsere Erfolge nennen.

Das sind sieben Botschaften.

Botschaft 1:

Die Bonner SPD ist sauber, in Bonn ist die CDU die Filz- und Skandal-Partei

Botschaft 2:

Die Bonner SPD ist die einzige Partei, die in Bonn Verantwortung und Innovation vereint

Botschaft 3:

Die Bonner SPD hat ihre Dialogfähigkeit und Kommunikation verbessert

Botschaft 4:

Die Bonner SPD ist eine junge Partei.

Botschaft 5:

Die Bonner SPD hat ihren politischen Einfluss ausgeweitet.

Botschaft 6:

Die Bonner SPD ist für die Bundestags-Wahlkampagne gut aufgestellt.

Botschaft 7:

Die Bonner SPD hat erfolgreich für Bonn gearbeitet.

Liebe Genossinnen und Genossen!

Wir werden als Bonner SPD bis zur Kommunalwahl 2004 unsere inhaltliche Profilierung vorantreiben müssen, wie wir es aus meiner Sicht bei Jugend- und Verkehrspolitik schon geschafft haben. Dies werden wir in einem öffentlichen Prozess machen.

Ich will der Diskussion nicht vorgreifen, aber Bereiche nennen:

Auch in einer reichen Stadt wie Bonn brauchen wir klassische sozialdemokratische Politik für die, die unsere Solidarität benötigen. Wir werden Arbeitslosigkeit nicht hinnehmen, akzeptieren Obdachlosigkeit nicht. Post-Tower und Telekom-City sind Wahrzeichen eines gelungenen Strukturwandels.

Aber wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten vergessen auch die Menschen jenseits der Glitzerwelt nicht.

Deshalb werden wir uns in Bonn mit Landes-, Bundes- und Europapolitik wieder stärker beschäftigen. Themen gibt es genug.

Unsere Diskussion über Auslandseinsätze der Bundeswehr war ein gutes Beispiel, wie erfolgreich Willensbildung zu einem Thema auch vor Ort entstehen kann. Das Gespräch mit Euch war für mich wichtig als Grundlage meiner Abstimmung im Bundestag. Die Zukunft der Bildung ist ein solches Thema, dass wir mit unserer offenen Veranstaltung zu PISA aufgenommen haben. Wir werden Antworten finden müssen, die jenseits der alten Frontstellungen der Bildungspolitik liegen. Nicht überhastet, aber zügig. Die Zukunft der Gesundheitsvorsorge ist ein weiteres Thema, mit dem wir uns beschäftigen müssen. Es wird auch Thema in der Wahlkampagne sein müssen. Lasst uns den Menschen sagen, dass CDU/CSU, FDP und auch Grüne das Solidarprinzip aufgeben wollen. Und das wir andere Ideen haben.

Die Zukunft der europäischen Union darf nicht Thema der Staatsoberhäupter bleiben. Lasst uns endlich wieder über die europäische Integration sprechen. Ich sage das an dieser Stelle ganz deutlich: Ich will eine europäische Regierung, gewählt vom Parlament und nicht mehr einen intransparenten Club nationaler Regierungschefs.

Ich will die Vereinigten Staaten von Europa.

Letztlich geht es bei allen diesen Themen darum, dass wir wieder eine Vision für die Sozialdemokratie entwickeln müssen, für die wir und die Bürgerinnen und Bürger sich begeistern können.

Diese sozialdemokratische Vision wird auf unseren Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität aufbauen, aber sie wird sich auch von unserer Visionen im 19. und 20. Jahrhundert unterscheiden.
Weil die Menschen sich heute mehr Unabhängigkeit vom Staat wünschen und weil es darum geht, jedem Menschen die optimale Entfaltung seines Potenzials zu ermöglichen. Weil Nachhaltigkeit in der Politik ein entscheidendes Kriterium geworden ist.

Für eine solche inhaltliche Arbeit brauchen wir eine effiziente Organisation. Da haben wir in den letzten Jahren bereits einiges verbessert. Aber es sind noch Fragen offen. Wir müssen vor allem die formale Arbeit reduzieren, die immer mehr Aktive belastet.

Ist es z.B. sinnvoll, den siechenden UBA unter anderem Namen mit viel formalen Ballast neu zu schaffen, statt auf effektive Koordinierung zu setzen?
Ist es z.B. sinnvoll, 3.500 Mitglieder in 14 Ortsvereinen zu organisieren, wo es früher 5.500 Mitglieder in 12 Ortsvereinen waren? Mit 14 Vorsitzenden, 28 stv. Vorsitzenden, 14 Kassierern, 14 Schriftführern usw.?
Ist es z.B. snnvoll, 14 Ortsvereins-Infos zu haben, wo die Mitglieder jeweils nur einen Bruchteil der möglichen Informationen bekommen?
Auf alle diese Fragen ist meine Antwort: Nein!

Deswegen möchte ich mich mit Euch nach dem 22. September über die Organisationsstruktur der SPD sprechen. Wir brauchen eine gemeinsame Idee von unserer Organisationsform der Zukunft. Wir werden bis zum Parteitag 2003 einen Vorschlag auf den Tisch legen müssen.
Es geht dabei um die Frage, wieviel Zeit wir unseren Aktiven dafür geben, inhaltlich zu arbeiten und bein den Menschen für unsere Politik zu werben. Und wie leicht wir es neuen Mitgliedern machen, aktiv zu werden.
Die nächsten Monate stehen im Zeichen der Bundestags-Wahlkampagne. Danach machen wir die Bonner SPD fit für die Kommunalwahl 2004.
Zeigen wir den Schwarzen, wo der Hammer hängt.
Wer so schlechte Arbeit wie die Bonner CDU abliefert, wer so verfilzt ist, gehört abgewählt. Wir müssen beweisen, dass wir die bessere Alternative sind.

Dafür arbeiten wir und das möchte ich als Vorsitzender auch in den nächsten beiden Jahren organisieren dürfen.


Service

Humor



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