Rede vom 25.04.2002


Ulrich Kelber im Plenum

Bochum, 25. April 2002

Energiepolitik für die Zukunft


Begrüßung

Zur „Energiepolitik für die Zukunft“ zwei kürzlich veröffentlichte Einschätzungen

Britische, deutsche und Schweizer Wissenschaftler

• Bis 2100 mehr als 5,8º Temperaturanstieg. Das ist mehr als der Unterschied zwischen Sizilien und Neufundland.

• Diese Klimaveränderung ist kaum mehr zu vermeiden.

• Tuvalu erster Staat als Opfer des Klimawandels. Weitere werden folgen: Bangladesh!!!

• Heute politische Entscheidung für Zeit nach 2100, um einen weiteren Anstieg zu verhindern.

Amerikanische Strategen und Think Tanks

• Konflikte um Umweltressourcen. Wasser und Öl.

• Dauerhafte militärisches Engagement in Nah-Ost.

• Sinkende Ergiebigkeit der Quellen für Öl und Gas. Folge werden steigende Preise spätestens Ende des Jahrzehnts sein.

• Steigende Abhängigkeit vom Import von fossilen Energieträgern

Vor diesem Hintergrund erscheint so manche Diskussion in Deutschland naiv.

Wenn man bestimmte Notwendigkeiten erkannt hat, muss Politik für Mehrheiten werben und nicht vor jedem Lobbyisten kapitulieren.

Ökosteuer, Energieeinsparverordnung, Einspeisegesetz für Erneuerbare Energien, Förderung Kraft-Wärme-Kopplung, Off-Shore-Windparks, Altbausanierung, Emissionshandel, Förderung der einheimischen Kohle ... Opposition immer dagegen.

CSU/CDU/FDP haben aber keine eigenen Konzepte.

Gleichzeitig übernimmt das Ausland Stück für Stück unsere Politik und unsere Technologien, weil Deutschland weltweiter Spitzenreiter im Abbau von Treibhausgasen ist.

Ich möchte Ihnen gerne die Zukunftsvorstellungen der SPD vorstellen und dabei auch auf die Rolle von NRW eingehen.

Zum Thema Atomausstieg werde ich heute nichts mehr sagen. Der USR hat den Ausstieg begrüßt und die Industrie auch Herrn Stoiber klar gemacht, dass man sich an die getroffenen Vereinbarungen halten wird. Das Thema ist in Deutschland durch.

Deutschland ist auf gutem Weg, seine Verpflichtungen zum Abbau von Treibhausgasen bis 2005/2010 zu erfüllen.

2000 und 2001 sind übrigens auch erstmals die Emissionen aus dem Verkehr gesunken.

Wir müssen uns bereits heute neue Ziele setzen: Bis 2020 werden wir die Emissionen von Treibhausgasen gegenüber 1990 um 40% senken müssen, bis 2040 um 80%.

Das ist unser deutscher Beitrag, den wir auch von anderen Industriestaaten verlangen. Vor allem von den USA, die sich feige um ihre Verantwortung als weltweit mit Abstand größter Emittent drücken.

Übrigens hat der Ausstoß von Treibhausgasen in den USA seit 1990 absolut stärker zugenommen als in China, Indien und Afrika zusammen. Soviel zum oft genannten Argument, vor allem die Bevölkerungsentwicklung sei ein Grund zur Sorge beim Klimaschutz.

CSU/CDU/FDP und manche Experten sagen, zur Einhaltung unserer Zusagen zum Klimaschutz müsse man Kohle- durch Gasnutzung ersetzen.

Ich halte diese Position nicht nur für ökologisch falsch, sondern für wirtschaftlich unsinnig und strategisch gefährlich.

Von Jahr zu Jahr steigt Deutschlands Abhängigkeit vom Import von Energieträgern. Hohe Milliardenbeträge wandern für Rohstoffe ins Ausland, statt im eigenen Land für beschäftigungsintensive Aufgaben genutzt werden zu können.

Eine Revolution, ein großer Unfall oder ein Krieg kann die Energiepreise schlagartig so verteuern, dass alle Industrienationen in eine noch nicht gekannte Rezession schlittern würden.

Dem kann man auf zwei Wege begegnen: Durch dauerhaftes militärisches Engagement vor Ort, zum Teil gegen Völkerrecht, oder durch eine Stärkung einheimischer Energiequellen.

Zu den heimischen Energieträgern gehört die Kohle.

Unseren eigenen Beitrag zum Klimaschutz können wir durch Modernisierung der Kraftwerke leisten.

Die nächste Generation von Kohle-Kraftwerken wird 50% weniger Treibhausgase emittieren als die heutigen Kraftwerke. Ein Riesenschritt.

Und übrigens auch ein Beitrag zur weltweiten Reduzierung. Denn Kohleförderländer wie China und Indien werden noch jahrzehntelang auf die Kohle setzen.

Da ist effiziente deutsche Technik wichtig, da amerikanische Kraftwerke Energieverschwender sind. Politik á la Bush wird die amerikanische Industrie die Wettbewerbsfähigkeit kosten.

Mit unserer Politik machen wir Energietechnologie aus NRW zu Nr. 1 in der Welt, ob es ganze Kraftwerke, Grubentechnik oder eben Solarzellen sind, wo endlich wieder Fabriken in Deutschland stehen.

Stichwort Solarzellen und Erneuerbare Energien.

So sehr ich den Vorrang der Kohle vor Öl und Gas sehe, so wird die Kohle in den nächsten Jahrzehnten gegenüber den erneuerbaren Energien zurücktreten müssen.

Und die Förderung der erneuerbaren Energie ist die Erfolgsstory der letzten Jahre.

Deutschland ist Weltmeister bei der Installation von Solarzellen und Windenergieanlagen. Die Zuwachsraten sind immens. Andere Staaten kopieren jetzt unsere Einspeisungsgesetze. Bereits 120.000 Menschen arbeiten im Bereich der erneuerbaren Energien. Und die Exportmöglichkeiten sind unbegrenzt, weil wir durch die Förderung im eigenen Land technologische Vorsprünge haben.

Noch in diesem Jahrhundert werden die erneuerbaren Energien in Deutschland die fossilen Energieträger völlig ablösen. Weder finanzielle noch technologische Gründe sprechen dagegen.

Die Zahl der Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft wird dadurch steigen, weil diese Energieformen beschäftigungsintensiver sind als Großkraftwerke und Atomkraftwerke.

Schon heute arbeiten mehr Menschen für die erneuerbaren Energien als in der Atomwirtschaft.

Schon heute ist die Windenergie-Industrie zweitgrößter Nachfrager nach Stahl aus NRW.

Damit sind wir auf dem richtigen Weg in der Energiepolitik.

Auf Themen wie Energieeinsparung, Emissionshandel, Kraft-Wärme-Kopplung und Ökosteuer gehe ich gerne in der Diskussion ein.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


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