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Lasst die Tafeln in Ruhe

Infobrief, 02.03.2018

Ulrich Kelber

Seit der Entscheidung der Tafel Essen, keine Bezugsscheine mehr an Bürger ohne deutschen Pass auszugeben, bis deren Anteil von aktuell 75% auf 50% gesunken sei, wird in ganz Deutschland über die Arbeit der Tafeln geredet, nicht nur über die Tafel Essen selbst.

 

Ich halte die Entscheidung der Leitung der Tafel Essen aufgrund der Informationen, die ich dazu habe, für falsch. Über die beste Unterstützung sollte nicht die Nationalität, sondern die Bedürftigkeit entscheiden. Streit unter den Bedürftigen untereinander kann durch eine gute Organisation vermieden werden.

 

So werden z.B. bei der Tafel Bonn alle Bezugsrechte zeitlich befristet, so dass jedes Jahr eine dreistellige Zahl von Bedürftigen neu in den Genuss der kostenlosen Lebensmittel kommen, bei 4.500 Bonnerinnen und Bonnern, die jede Woche Lebensmittel erhalten. Bevorzugt werden Familien mit Kindern, Alleinerziehende, alte und kranke Menschen. Alle erhalten eine Bezugskarte mit Tag, Zeitfenster und Reihenfolge, so dass es nicht zu einem Gerangel um gute Plätze kommen kann. Wer sich gegenüber den MitarbeiterInnen der Tafel oder anderen Kunden daneben benimmt, verliert seine Bezugskarte, eine persönliche Sanktion statt einem Ausschluss nach Nationalität.

 


Was gar nicht geht: Die MitarbeiterInnen der Tafel Essen, die täglich als Ehrenamtliche unter hohem Aufwand viele deutsche und nicht-deutsche Bedürftige mit Lebensmitteln versorgen, als Nazis zu beschimpfen. Meine Empfehlung an solche unflätigen Kritiker: Arbeitet doch einmal die Woche so ganz konkret für Bedürftige, wie es die Ehrenamtlichen der Tafeln machen. Und deren Arbeit kenne ich gut, ich bin stolz darauf, Schirmherr der Bonner Tafel sein zu dürfen.

 

Natürlich ist die Debatte berechtigt, warum es eigentlich in einem reichen Land Menschen gibt, die ohne die Lebensmittelspenden der Tafeln nicht über die Runden kommen. Aber diese Frage geht an die Politik und nicht an die Ehrenamtlichen der Tafeln. Ich selbst habe mehrfach betont, dass ich den Regelsatz an den Punkten Ernährung und Energie für nicht ausreichend halte.

 

Aus der Praxis gebe ich allerdings zu bedenken, dass es aber auch bei höheren Regelsätzen Menschen geben wird, die mit ihrem Budget nicht zurechtkommen werden und für die die kostenlosen Lebensmittel, die sonst weggeworfen(!) würden, extrem wichtig sind. Denn darum geht es bei den Tafeln: Wertvolle Lebensmittel vor der Vernichtung bewahren und diese an die Menschen verteilen, die am meisten davon profitieren.

 

Also bitte, liebe Kritiker: Lasst die Tafeln in Ruhe. Besser noch: Arbeitet doch bei den Tafeln mit. Hier geht‘s lang (am Beispiel Bonn): http://bonner-tafel.de

 



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